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Nachrichten aus der Pflege | 13. Januar 2017

Endlich ist der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff da

Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff in der Pflegeversicherung mit seinen fünf Pflegegraden ist endlich da. So können Einschränkungen, die mit Wahrnehmung, Denken oder Lernen zu tun haben, besser berücksichtigt werden. Das soll insbesondere für Betroffene, die unter Demenz leiden, Verbesserungen bringen.
Die erweiterten Ansprüche müssen auch eingelöst werden. Die Pflegepolitik wird 2017 Antworten auf die Frage zu finden haben, woher die Pflegekräfte dazu kommen sollen.

Seit dem 1. Januar 2017 gelten die neuen Pflegegrade. Damit werden die Leistungen der Pflegeversicherungen in fünf Abstufungen gewährt. Dazu war es nötig einen neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff einzuführen – der macht es möglich, die Bedürfnisse von Demenzkranken erheblich besser zu berücksichtigen als im System der Pflegestufen. Geld- und Sachleistungen für Pflegebedürftige wurden aufgestockt. Es sollen mehr Betreuungsangebote finanziert und Betreuungskräfte angestellt werden. Auch die Pflegeberatung wird ausgeweitet und aufgewertet.
Heino Güllemann weist darauf hin, dass 2016 schon 70 000 Stellen in der stationären Pflege unbesetzt waren. Ab 2017 haben mehr Menschen umfangreichere Ansprüche an die Pflegeversicherung. „Bedauerlicherweise lässt das Pflegestärkungsgesetz die Frage offen, wie und von wem die zusätzlichen Pflegeleistungen überhaupt erbracht werden sollen. Verlässliche Regelungen gegen die mangelhafte Personalsituation fehlen.“ Frank Weidner sieht die Gefahr, dass von schönen Pflegereformen der Bundesregierungen vielleicht nur leere Versprechungen bleiben, „wenn letztendlich immer weniger Menschen bei uns bereit sind, den Pflegeberuf zu erlernen, und die, die ihn erlernt haben, wegen unzumutbarer Rahmenbedingungen in Scharen davonlaufen.“

Schon 1993 wurde auf Plakatwänden um Pflegekräfte geworben. Auch die vielen folgenden Imagekampagnen konnten wenig am Pflegefachkräftemangel ändern. Die Erfolgsaussichten für solche Aktivitäten bleiben überschaubar: Seit Jahren sieht ein Großteil der Bevölkerung bei „Befragungen nach den Berufen mit dem höchsten Ansehen und Vertrauen in der Bevölkerung, die Krankenschwester regelmäßig neben Feuerwehrleuten und Ärzten“ auf einem der drei ersten Plätze. Der Mangel an Pflegefachkräften hat folglich nur zum Teil mit schlechtem Image zu tun.
Der Pflegemindestlohn „liegt nur geringfügig über dem allgemeinen Mindestlohn, in den ersten Jahren nach seiner Einführung lag er teilweise sogar darunter. Der vergleichsweise niedrige Lohn trägt wesentlich dazu bei, dass zu wenige junge Leute die körperlich anspruchsvolle Arbeit beispielsweise in der Altenpflege machen wollen.“
Es werden „erhebliche Energien auf die Rekrutierung von Pflegepersonal aus dem Ausland“ verwendet. Die Entwicklungen im Vereinigten Königreich seit 1970 zeigen, dass das eine billige Lösung ist: „Unter dem Strich profitierte das Königreich deutlich – selbst dessen Ausgaben für gesundheitsbezogene Entwicklungshilfe liegen noch unter dem Gegenwert des Zuzugs an Fachkräften. Doch die Auswirkungen in den Herkunftsländern wurden lange geflissentlich ignoriert.“ Seit Jahren werden in Liberia, Sierra Leone oder Phillipinen Gesundheitsfachkräfte für den Export in Industrieländer ausgebildet. Doch in keinem dieser Länder gibt es genug medizinisches oder pflegerisches Personal, um den einheimischen Bedarf zu decken. Derlei lässt sich auch in Deutschland beobachten: An der Grenze zur Schweiz sind Altenheime kaum noch in der Lage, alle Betten zu belegen, trotz langer Wartelisten. Es gibt einfach nicht genug Altenpflegerprofis – Wer in Sichtweite der Grenze wohnt, hat es leicht direkt nach der Ausbildung in die Schweiz zu wechseln, wo die Arbeitsbedingungen deutlich besser sind.

Heino Güllemann fordert: „Die Bundesregierung und die zentralen Akteure des selbstverwalteten deutschen Gesundheitssystems stehen daher in der Pflicht, die Attraktivität der Pflegeberufe in Deutschland nachhaltig und effektiv zu steigern. Denn attraktivere Arbeitsbedingungen in der Pflege sind nicht nur für die hiesigen Pflegekräfte – ob aus dem In- oder Ausland – sowie ihre Patientinnen von höchster Dringlichkeit.“


Der globale Pflegenotstand, Artikel von Heino Güllemann in der Zeitschrift Blätter für deutsche und internationale Politik, Ausgabe 1|2017.
Was leistet unser Pflegesystem, Herr Weidner?, von Professor Frank Weidner, erschienen auf www.morgenweb.de (31.12.2016).
Über 50 Beiträge zum Thema »Image Altenpflege« aus dem Jahr der Pflege 2011.

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Letzte Aktualisierung: 03.06.2017