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Stichwort | Begutachtung

Der Hilfebedarf von Pflegebedürftigen ist unter­schiedlich groß. Um dem gerecht zu werden, gibt es mehr Geld aus der Pflege­versicherung, wenn der Pflege­aufwand steigt. Pflege­profis des Medizinischen Dienstes (MDK) beurteilen (meist bei einem Haus­besuch), in welchem Umfang Hilfe­bdarf besteht und erstellen ein Gutachten. Das Gutachten ist die Grund­lage für die Entscheidung der Pflege­kasse über den Pflegegrad.

Wie der MDK vorzugehen hat, ist in den Begut­achtungs­richt­linien (BRi) genau geregelt. Die Pflege­kasse stellt dem MDK zur Vorbereitung vorhandene Informationen (Antrag, Begründung, bisherige Leistungen ...) zur Verfügung. Beim Haus­besuch (der grund­sätzlich 30 bis 60 Minuten dauern sollte) machen sich die Gut­achtenden von der Situation ein eigenes Bild. Sie befragen auch die Pflege­bedürftigen und die Pflegenden. Falls Arzt­berichte oder Pflege­dokumen­tationen vorhanden sind, werden die ebenfalls berücksichtigt. Die Einschätzung zum Ausmaß der Selbst­ständigkeit und des Pflege­bedarfs geschieht in sechs Bereichen („Modulen“), die jeweils wieder in Merkmale gegliedert sind. Die Teil­ergebnisse werden unter­schiedlich gewertet.
Nach der Rechnerei ergibt ein Punkt­wert die Empfehlung für einen von fünf Pflege­graden – oder „keine Pflege­bedürftig­keit im Sinne des SGB XI“.

Eine öffentliche Debatte gibt es 2016 zur Frage, ob die Begut­achtungen zu den Pflege­graden büro­kratischen Mehr­aufwand erzeugen werden. Ulrich Schneider (Der Paritätische) ist skeptisch: „Die Medi­zinischen Dienste jedenfalls, die für die Begut­achtung zuständig sind, haben bereits vor­sorglich erreicht, dass die bislang ver­bindliche Fünf-Wochen-Frist, in der sie ihre Ent­scheidung gefällt haben müssen, ausgesetzt wird. Das kann bedeuten, dass Pflege­bedürftige und ihre Ange­hörigen nun länger als einen reichlichen Monat auf Hilfe und Unter­stützung warten müssen.“ (Sperber, 2016)

Es dauert einige Wochen, bis der MDK das Gut­achten an die Pflege­kasse übermittelt hat und dort über den Pflege­grad entschieden wurde. [Mehr zu Bearbeitungs­fristen; Im Oktober 2017 berichtet der MDR von „vielen Wochen“ Bearbeitungs­zeit.] In der Regel bekommen Sie mit dem schrift­lichen Bescheid auch eine Kopie des Gut­achtens (BRi, Seite 116) geschickt.
Zum Widerspruch ...

Die Gutachtenden vom MDK „führen die Beguta­chtungen [zur Einschätzung des Pflege­grads] in respekt­voller und wert­schätzender Weise durch ...“. Zu dieser Aussage gibt es rechts­verbindliche Richt­linien. Alle Versicherten haben die Möglich­keit, sich zu beschweren, falls sie meinen, es habe an Respekt gefehlt.
[Unser Artikel „Service Orientierung bei der Begutachtung zum Pflegegrad“ vom 3. Juli 2018]

Einige Gedanken zur Vorbereitung auf den MDK Besuch.

Machen Sie eine Liste: bei welchen Verrichtungen ist täglich die Unterstützung durch eine Pflegeperson nötig. Klappt ein nächtlicher Toilettengang ohne Hilfe? Auch was nicht täglich, sondern nur ein oder zwei mal pro Woche anfällt, gehört auf eine solche Liste.
Seit 2017 ist wichtiger geworden, was in den Gutachten zu Wohnumfeld verbessernden Maßnahmen (Umbauten) geschrieben wird. Handgriffe am Bett oder im Bad sind nicht sehr teuer. Der Einbau eines Treppen­lift kann mehr als 10000€ kosten (Müller, 2018). Wird im Gutachten bestätigt, das derlei notwendig ist, erleichtert das die Genehmigung einer entsprechenden Maßnahme erheblich.
Es ist sehr sinnvoll, Kopien von Kranken­hausberichten, den Medikations­plan und, falls vorhanden, die Dokumentation des Pflege­dienstes bereit zu halten. Wir empfehlen: bleiben Sie nicht allein in der Begut­achtungs­situation. Bitten Sie eine Pflege­person dabei zu sein. Manchmal kann sich auch jemand vom ambulanten Pflege­dienst die Zeit nehmen. Im Dezember 2017 berichten zwei Pflege­beraterinnen: „Das dauert heute alles länger als noch vor einem Jahr. Ein Begut­achtungs­termin mit dem MDK nimmt oft mehr als zwei Stunden in Anspruch, denn der Hilfe­bedarf wird viel trans­parenter und umfassender untersucht. Ganzheitlich wird geschaut, was der pflege­bedürftige Mensch im Tages­ablauf noch weitgehend selbst­ständig, mit Hilfe durch andere oder gar nicht mehr selbst­ständig erledigen kann“, beschrieb es Daniela Metzen. „Unsere Kunden empfinden diese Genauig­keit bei der Begut­achtung oft positiv und verstehen die neuen Module leichter als die früheren Pflege­stufen“, ergänzte Claudia Schneider. (Blick, 2017)
... mehr zur Vorbereitung auf den MDK Besuch

Tipp für Pflegeeinrichtungen

Immer mal wieder ist zu hören, das in Begut­achtungs­situationen zu Konflikten kommt, weil Gutachtende ihre Vor­stel­lungen zur Pflege­dokumentation verwirklicht sehen wollen. Zu dieser Frage sind die BRi erfreulich klar: „Stellt die Gutachterin bzw. der Gutachter ... gravierende fachliche Defizite, wie z. B. unzu­reichende Hygiene, ungewol­lter Gewichts­verlust, unbehandelte Wunden, fest, wird der Pflege­kasse empfohlen, die Informationen an die für das Land zuständige Stelle für die Qualitäts­prüfung nach den §§ 114 ff SGB XI weiterzugeben. Gemeint sind hier aus­schließlich gravierende gesund­heitliche Probleme oder Versorgungs­defizite bei der antrag­stellenden Person und nicht zum Beispiel Mängel bei der Pflege­dokumentation.“ (Seite 88)



Quellen:
– Blick, 2017
– BRi, 2016
– König, 2017
– MDR, 2017
– Müller, Benedikt (2018)
– Sperber, 2016
[ausführliche Quellenangaben]

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Letzte Aktualisierung: 24.10.2018