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Stichwort | Beratung

Vor allem mit Blick auf Menschen, die zum ersten Mal einen Antrag bei der Pflegekasse stellen, formuliert Hajo Stuhlträger (Kreisseniorenbeirat Mayen–Koblenz): Es ist seit der Pflegereform 2017 „sinnvoller denn je, sich gut beraten zu lassen.“ Die flächendeckend in Deutschland angebotenen Pflegestützpunkte sind dabei eine wichtige Stütze. „Ihr Wissen um die Möglichkeiten, Leistungen passend zu nutzen und miteinander zu kombinieren, kann kein Laie sich im Pflegefall schnell genug aneignen“ (Blick, 2017).

Weitgehend unbekannt ist, dass die Pflegekassen unter­schied­liche Formen der Pflegeberatung – auch in der eigenen Wohnung finanziert (MAZ, 2018). Pflegebedürftige und pflegende Angehörige haben Anspruch auf kostenfreie „individuelle Beratung und Hilfestellung durch einen Pflegeberater oder eine Pflegeberaterin“. Die Pflegeberatung soll umfassend über die vielen bundes- oder landesrechtlich vorgesehenen Sozialleistungen informieren und dabei helfen, solche Leistungen auch in Anspruch zu nehmen. Thema der Pflegeberatung ist auch, welche Hilfsangebote tatsächlich am Wohnort der Pflegebedürftigen zur Verfügung stehen (§ 7a SGB XI). Die Pflegekassen müssen von sich aus, den Pflegebedürftigen solche Beratungsangebote machen. In den meisten Fällen können alle wichtigen Fragen mit Hilfe der Leute vom örtlichen Pflegestützpunkt geklärt werden. Im § 7a SGB XI werden allerdings erheblich weitergehende Ansprüche formuliert. Aus einem Faltblatt des Gesundheitsministeriums: „Die Pflegekasse bietet Ihnen unmittelbar nach Stellung eines Antrags auf Leistungen einen konkreten Termin für eine Pflegeberatung an, die innerhalb von zwei Wochen nach Antragstellung durchzuführen ist. Die Pflegekasse benennt Ihnen außerdem eine Pflegeberaterin ... die ... persönlich für Sie zuständig ist.“ (BMG, 2018a)
Die individuelle Pflegeberatung findet meist bei den Pflegebedürftigen zu Hause statt und kann so weit gehen „einen individuellen Versorgungsplan mit den im Einzelfall erforderlichen Sozialleistungen und gesundheitsfördernden, präventiven, kurativen, rehabilitativen oder sonstigen medizinischen sowie pflegerischen und sozialen Hilfen zu erstellen [und] die Durchführung des Versorgungsplans zu überwachen und erforderlichenfalls einer veränderten Bedarfslage anzupassen“.

Beratungsbesuche
Es gibt nicht nur den Anspruch auf Pflegeberatung, sondern auch eine Verpflichtung. Das ist im §37 Abs. 3 SBGB XI geregelt. Es gilt für alle, die mindestens Pflegegrad 2 haben und in der eigenen Wohnung leben. Sie müssen Beratungsbesuche vereinbaren. „Die Beratung dient der Sicherung der Qualität der häuslichen Pflege und der regelmäßigen Hilfestellung und praktischen pflegefachlichen Unterstützung der häuslich Pflegenden.“ Sie findet in der Regel in der Wohnung der Pflegebedürftigen statt. Häufige Themen sind Umbaumassnahmen, Hilfsmittel wie Badelifter oder Pflegebetten (BRi, Abschnitt 4.12.8 Ziffer 3). Oft geht es auch um rückenschonende Hebetechniken. Es können auch Fragen zu „Mophium“ besprochen werden? Oft ist ein persönliches Gespräch mit einer Pflegefachperson hilfreicher, als Infoblätter wie dieses.
Solche Beratungsbesuche müssen bei Pflegegrad 2 und 3 halbjährlich einmal, bei Pflegegrad 4 und 5 vierteljährlich einmal organisiert werden (§ 37 (3) SGB XI). Fast alle ambulante Pflegedienste bieten diesen Service an.

Widerspruch

Ob es sich für Sie ganz persönlich lohnt einen Widerspruch einzulegen und vielleicht bis vor Gericht zu bringen ... das lässt sich oft nicht auf der Basis allgemeiner Informationen entscheiden. Dazu gehört manchmal altenpflegerisches Fachwissen und Erfahrung im Umgang mit den MDK-Gutachten. Wenn Sie dazu Fragen haben, können wir Sie gern individuell beraten.


Quellen:
– Blick, 2017
– Bundesministerium für Gesundheit (BMG) 2018a
– Bundesärztekammer, 2018
– Märkische Allgemeine (MAZ) 2018
[ausführliche Quellenangaben]

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Letzte Aktualisierung: 29.08.2018