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Stichwort | Beratung

Vor allem mit Blick auf Menschen, die zum ersten Mal einen Antrag bei der Pflegekasse stellen, formuliert Hajo Stuhlträger (Seniorenbeirat): Es ist seit der Pflegereform 2017 „sinnvoller denn je, sich gut beraten zu lassen.“ Olaf Christen (VdK) rät, mit dem Anruf bei einem Pflegestützpunkt nicht erst lang abzuwarten (VdK, 2017c). Deren „Wissen um die Möglichkeiten, Leistungen passend zu nutzen und miteinander zu kombinieren, kann kein Laie sich im Pflegefall schnell genug aneignen“ (Blick, 2017).

Punkt Beratungsangebote der Pflegekassen

Weitgehend unbekannt ist, dass die Pflegekassen unterschiedliche Formen der Pflegeberatung – auch in der eigenen Wohnung finanzieren (MAZ, 2018; Broschüre über die Angebote der AOK Pflegeberater, 2015). Pflegebedürftige und pflegende Angehörige haben Anspruch auf kostenfreie „individuelle Beratung und Hilfestellung durch einen Pflegeberater oder eine Pflegeberaterin“. Die Pflegeberatung soll umfassend über die vielen bundes- oder landesrechtlich vorgesehenen Sozialleistungen informieren und dabei helfen, solche Leistungen auch in Anspruch zu nehmen. Thema der Pflegeberatung ist auch, welche Hilfsangebote tatsächlich am Wohnort der Pflegebedürftigen zur Verfügung stehen (§ 7a SGB XI). In den meisten Fällen können alle wichtigen Fragen mit Hilfe der Leute vom örtlichen Pflegestützpunkt geklärt werden. [Zeitungsartikel über die Arbeit im Pflegestützpunkt in Alzey (2016)]
Im §7a SGB XI werden allerdings erheblich weitergehende Ansprüche formuliert. Aus einem Faltblatt des Gesundheitsministeriums: „Die Pflegekasse bietet Ihnen unmittelbar nach Stellung eines Antrags auf Leistungen einen konkreten Termin für eine Pflegeberatung an, die innerhalb von zwei Wochen nach Antragstellung durchzuführen ist. Die Pflegekasse benennt Ihnen außerdem eine Pflegeberaterin ... die ... persönlich für Sie zuständig ist.“ (BMG, 2018a)
Die individuelle Pflegeberatung findet meist bei den Pflegebedürftigen zu Hause statt und kann so weit gehen „einen individuellen Versorgungsplan mit den im Einzelfall erforderlichen Sozialleistungen und gesundheitsfördernden, präventiven, kurativen, rehabilitativen oder sonstigen medizinischen sowie pflegerischen und sozialen Hilfen zu erstellen [und] die Durchführung des Versorgungsplans zu überwachen und erforderlichenfalls einer veränderten Bedarfslage anzupassen“.

Der VdK formuliert allgemein: „Anspruch auf den Besuch eines Pflegekurses oder eine Schulung zu Hause haben alle Angehörigen sowie Pflegepersonen, die einen Pflegebedürftigen zu Hause versorgen oder dies künftig möglicherweise tun.“ (VdK, 2019b)

Punkt Beratungsbesuche (§37 SGB XI)

Es gibt nicht nur den Anspruch auf Pflegeberatung, sondern auch eine Verpflichtung. Das ist im §37 Abs. 3 SBGB XI geregelt. Das gilt für alle, die mindestens Pflegegrad 2 haben, in der eigenen Wohnung leben und im Bereich der Pflegeversicherung keinen ambulanten Pflegedienst (= „Sachleistungen“) in Anspruch nehmen. „Die Beratung dient der Sicherung der Qualität der häuslichen Pflege und der regelmäßigen Hilfestellung und praktischen pflegefachlichen Unterstützung der häuslich Pflegenden.“ Sie findet in der Regel in der Wohnung der Pflegebedürftigen statt.
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Im März 2020 wurde bekannt, dass (vorerst) bis 30. September 2020 keine Verpflichtung zu diesen Beratungsbesuchen besteht. „Die gesetzlich vorgesehenen Konsequenzen für Pflegebedürftige, wie Leistungskürzungen bei fehlendem Nachweis, werden ausgesetzt.“ (Bilbliomed, 2020a)

Häufige Themen bei diesen Beratungsgesprächen sind Umbaumassnahmen, Hilfsmittel wie Badelifter oder Pflegebetten (BRi, Abschnitt 4.12.8 Ziffer 3). Oft geht es auch um rückenschonende Hebetechniken. Es können auch Fragen zu „Mophium“ besprochen werden. Oft ist ein persönliches Gespräch mit einer Pflegefachperson hilfreicher, als Infoblätter wie dieses.
Solche Beratungsbesuche müssen bei Pflegegrad 2 und 3 halbjährlich, bei Pflegegrad 4 und 5 vierteljährlich organisiert werden (§ 37 (3) SGB XI).
Bei Pflegegrad 1 oder „bei Bezug von Sachleistungen können die Besuche ebenfalls angefordert werden, es besteht aber keine Verpflichtung.“ (DAlzG, 2020b).
Fast alle ambulanten Pflegedienste bieten diesen Service an.

Punkt Wohnberatung

An manchen Orten gibt es spezialisierte Angebote zur Wohnberatung (Süddeutsche, 2017; Rode, 2019). Zum Beispiel in Essen, in Heidelberg oder Nordrhein–Westfalen. Dabei geht es um Fragen zu Sturzvorbeugung, Bequemlichkeit, Einbruchsicherheit, Zustimmung von Vermietern, Fördermöglichkeiten, Badumbau, Türverbreiterungen oder „Aufzügen“ zwischen Wohnung und Straße. (Allgemeines: Ziele und Aufgaben der Wohnberatung). Die Wohn- und Technikberatung in Hannover hat auch eine virtuelle Musterwohnung erarbeitet. Ein Besuch vermittelt erste Eindrücke zur Vielfalt der Möglichkeiten mit technischen Geräten den Alltag zu erleichtern: Wohnung besuchen.
In der Fernsehsendung WISO (ZDF) gibt es allgemeine Tipps: Wohnen im Alter: Welche Wohnform ist die richtige? (17. Juni 2019)

Punkt Beratung zum Widerspruch

Ob es sich für Sie ganz persönlich lohnt einen Widerspruch einzulegen und vielleicht bis vor Gericht zu bringen ... das lässt sich oft nicht auf der Basis allgemeiner Informationen entscheiden. Dazu gehört manchmal altenpflegerisches Fachwissen und Erfahrung im Umgang mit den MDK-Gutachten. Wenn Sie dazu Fragen haben, können wir Sie gern individuell beraten.

Punkt „Gute“ Pflegeberatung erkennen

Es gibt viele Angebote zur Pflegeberatung. In einem Sanitätshaus darf selbstverständlich davon ausgegangen werden, dass die Beratung nur finanziert werden kann, wenn daraus ausreichend viele Umsatz entsteht. Wenn es darum geht, ein bestimmtes Hilfsmittel zu erwerben, kann das genau das Richtige sein. Eine ausführliche Beratung durch mitarbeitende eines Zivildienstes Pflegedienstes wird auch davon geprägt sein, dass viele Einsätze mit möglichst vielen Leistungen vereinbart werden.
Hinzu kommt, dass die Unterstützung durch Pflegekräfte viele Bereiche des Lebens berühren kann. So gibt es zahlreiche„ Pfleger*innen“, die niemals eine dreijährige Pflegeausbildung durchlaufen haben. Wer Sozialarbeit gelernt hat, weiß viel über die Sozialgesetzgebung, wer die Ausbildung in der Kommunalverwaltung bewältigte, kennt sich hervorragend mit Anträgen und Genehmigungspraxis aus. Darf von solchen Menschen erwartet werden, dass sie zu Rollatoren oder Pflegebetten Auskunft geben können?
„Pflegeberatung" ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Alle die möchten, können sich das auf die Visitenkarte schreiben. Schauen Sie bei Beratungsangeboten im Internet, an Infoständen, in Büchern oder Betrieben genau hin. Ein paar Stichpunkte:


Quellen:
– Allgemeine Zeitung, 2016
– AOK, 2015: In besten Händen. Wie die AOK-Pflegeberatung Angehörigen hilft pdf Logo, September 2015
– Bibliomed (2020a): Spahn und Westerfellhaus beschließen Sonderregeln für Heime, Artikel auf www.bibliomed-pflege.de vom 19. März 2020
– Blick, 2017
– Bundesministerium für Gesundheit (BMG) 2018a
– Bundesärztekammer, 2018
– Deutsche Alzheimer Gesellschaft (DAlzG), 2020b: Informationsblatt 8 | Die Pflegeversicherung
– LAG Wohnberatung NRW: Ziele und Aufgaben der Wohnberatung
– Märkische Allgemeine (MAZ) 2018
– Rode, Cordula (taz), 2019
– Süddeutsche Zeitung 2017
– VdK, 2017c: Plötzlich Pflegefall: zeitnahe Beratung ist wichtig, Artikel auf www.vdk.de vom 26. April 2017
– VdK (2019b): Pflegeberatung & Pflegekurse für Angehörige: Tipps für die Pflege
[ausführliche Quellenangaben]

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Letzte Aktualisierung: 19.06.2020