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Informationen zu den Pflegegraden

qr-CodeIm fünf-stufigen System der Pflegegrade können vor allem die Bedürfnisse von Demenzkranken bei der Einstufung besser berück­sichtigt werden als in den alten Pflegestufen (bis Ende 2016).
Mit dem Pflegegrad 1 wurden die Voraussetzungen, um überhaupt Leistungen aus der Pflegeversicherung (SGB XI) zu bekommen, deutlich gesenkt. Im Oktober 2017 wird ein Rekord vermeldet: erstmals haben über 3 Millionen Pflegebedürftige einen Pflegegrad. (Fricke, 2017)
❓ Wie kann ich einen Pflegegrad beantragen?
❓ Was zahlt die Pflegekasse bei Pflegegrad 2?
❓ Was ist bei einem Widerspruch gegen den Pflegegrad zu bedenken?
Die Definitionen zu den Pflegegraden aus dem Gesetz zur Pflegeversicherung (§15 SGB XI) helfen bei diesen Fragen wenig weiter.
Auf unseren Internet­seiten geht es ausschließlich um die gesetzliche Pflegeversicherung in Deutschland.

Bei allen Pflegegraden gibt es den Entlastungsbetrag (125 €/Monat), der mit einem anerkannten Pflegedienst/haus­wirtschaft­lichen Dienst abgerechnet werden kann. Meistens werden in diesem Rahmen haus­wirt­schaftliche Hilfen oder Betreuungsleistungen vereinbart. Ob auch bei Ihnen in erreichbarer Nähe passende Angebote gemacht werden? Skepsis ist angebracht. Ein Bericht aus Drensteinfurt (15000 Einw.) zeigt: alle drei Pflegedienste im Ort melden: „Keine Kapazitäten frei.“ (WN, 2018) Das bestätigt Klagen, die aus ganz Deutschland seit 2017 immer häufger zu hören sind: weder für haus­wirtschaft­liche, noch für pflegerische Aufgaben ist ausreichend Personal zu finden. Bis Ende 2018 könnte es möglich sein, noch Ansprüche aus 2016 geltend zu machen (NWZ, 2018).
Ab Pflegegrad 1 werden auch monatlich 40 € für Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel zur Verfügung gestellt. Weit­gehend unbekannt ist, dass die Pflegekassen unter­schied­liche Formen der Pflegeberatung – auch in der eigenen Wohnung, auch für pflegende Angehörige finan­ziert (MAZ, 2018). Dabei kann es beispiels­weise um Fragen zu „Mophium“ gehen? Oft ist ein persönliches Gespräch mit einer Pflegefachperson hilf­reicher, als Infoblätter wie dieses.
Alle, denen mindestens Pflegegrad 2 zuge­standen wurde, haben Anspruch auf Pflegegeld beziehungs­weise Sachleistungen. Es gibt auch Leistungen für Verhinderungspflege. Wir haben für Sie eine Übersicht zu den Geldbeträgen und vielen weiteren Leistungen zusammen gestellt.

Allgemein zum Pflegegeld:
„Da die tatsächlichen Kosten für die Pflege das gebüh­rende Pflegegeld in den meisten Fällen übersteigen, kann das Pflegegeld nur als pauschal­ierter Beitrag zu den Kosten der erforder­lichen Pflege verstanden werden.“ Dieser Satz stammt von www.gesundheit.gv.at und zeigt, dass sich nicht nur der Gesetz­geber in Deutsch­land mit der Unter­stützung der informellen Pflege schwer tut.

Die Pflegekasse greift bei den Kosten für Umbaumaßnahmen unter die Arme. Das könnte ein Handlauf im Flur oder eine Rampe zur Straße sein. Der Einbau eines Treppenlift kostet beim Marken­hersteller 8000€ bis 12000€ (Müller, 2018). Die ersten 4000€ kämen von der Pflegekasse. Auch die Kosten für einen Umzug in eine behinderten­gerechte Wohnung können (teilweise) übernommen werden. Neben den Pflegekassen gibt es auch andere finanzielle Hilfen. Bis zu 1600€ Zuschuss können für Maßnahmen zum Einbruch­schutz in Bestands­immobilien gewährt werden. Bis zu 50000€ Kredit ab 0,75% Zinsen könnte es für Umbauten geben, die Barrieren mindern. (Stand August 2018) Dieses Geld von der Bundes­regierung wird die über die KfW vergeben. Die Pflegestützpunkte sollten auch zu solchen Förderprogrammen beraten können.
Ein elektrisch höhen­verstellbares Krankenbett wird gesetzlich nicht zu den Umbaumaßnahmen gerechnet, sondern ist ein Hilfsmittel. Hilfsmittel können ärztlich verordnet und von der Kranken- bzw. Pflegekasse bezahlt werden.
Die gesell­schaft­liche Bedeutung der familialen Pflege macht eine Zahl aus England deutlich: über 10% der Gesamt­bevölkerung leisten regelmäßig pflegerische Hilfen für Verwandte oder Bekannte (Marsh, 2018).
Wer in Deutschland pflegebedürftigen Nachbarn oder Angehörigen („nicht gewerblich“) hilft, ist über die Pflegeversicherung in der gesetzlichen Unfallversicherung versichert. Die Pflegekassen zahlen für pflegende Angehörige unter Um­ständen Rentenbeiträge. Voraussetzungen: für die pflegerischen Hilfen bei ein oder mehreren Pflegebedürftigen, denen mindestens Pflegegrad 2 zuge­standen wurde, werden regelmäßig mehr als 10 Stunden pro Woche, an zwei verschie­denen Tagen aufgewendet. Die so erworbenen Rentenansprüche sind nicht sonderlich hoch. 2018 veröffentlichte das Handelsblatt dazu einige Überlegungen. Fazit: wer die Arbeitszeit wegen Pflegeverpflichtungen reduziert, verzichtet nicht nur in der Gegenwart auf Einkommen, sondern wird auch eine geringere gesetzliche Rente bekommen. (Handelsblatt, 2018c)
Trotz der vielen Möglich­keiten die die Pflegeversicherung bietet: die Leistungen sind begrenzt – viele Pflegebedürftige könnten mit diesen Zahlungen nur einen Teil der Hilfen finanzieren, die nötig sind. Bis 2016 gab es die Pflegestufen mit der Pflegestufe 0 für Demenzkranke. Einen Pflegegrad 0 gibt es nicht. Die Hürden, um Pflegegrad 1 zu erreichen sind recht niedrig.

Viele Menschen, denen Pflegegrad 1 zugestanden wurde, leben mit Demenz. Schon wer in Deutsch­land aufgewachsen ist, hat es nach dem Schock der Erst­diagnose nicht leicht, verläss­liche Infor­mationen zu finden. Menschen mit anderer Mutter­sprache haben es noch viel schwerer. Hier ist eine Link-Sammlung zu Broschüren und Videos in den Sprachen: ⤴︎Russisch, ⤴︎Türkisch, ⤴︎Bengali, ⤴︎Chinesisch (traditionell), ⤴︎Englisch, ⤴︎Gujarati, ⤴︎Hindi, ⤴︎Punjabi, ⤴︎Urdu und ⤴︎Walisisch.

Es gibt viele weitere staatliche Unterstützungsmöglichkeiten für Menschen, die pflegerische Hilfen benötigen. Zum Beispiel ist es möglich, bei der Steuererklärung Belastungen anzuerkennen. In den Bundes­ländern Mecklen­burg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein wird Pflegewohn­geld gezahlt. In Bayern wird jährlich 1000€ Landespflegegeld gezahlt (Augsburger Allgemeine, 2018a) ... Lassen Sie sich beraten!

Punkt Antrag auf einen Pflegegrad

Für einen Pflegegrad ist zum einen wichtig, wie weit jemand in der Lage ist, ohne Hilfen anderer Menschen durch einen „normalen“ Alltag zu kommen. Zum anderen, ob die Einschränk­ungen der Selbstständigkeit auf Dauer, voraus­sichtlich für mindestens sechs Monate bestehen werden. Welche Krankheit oder Behinderung die Ursache für die Pflegebedürftigkeit ist oder wie alt jemand ist, bleibt zweitrangig. Ob Demenz, Rheuma oder Multiple Sklerose dazu führt, dass eine Pflegeperson beim Duschen unterstützen muss, ist nicht entscheidend. Es muss bei der Begutachtung fest­gestellt werden, welche Anregungen, Handgriffe oder Verrichtungen ... durch Angehörige oder Pflegekräfte durch­zuführen sind.
Worauf zu achten ist, wurden auf über 250 Seiten Begutachtungsrichtlinien (BRi) fest geschrieben – ob Ihnen Pflegegrad 3 oder Pflegegrad 4 zusteht, ist nicht leicht zu entscheiden. Die üblichen Pflegegradrechner geben nur ein paar Stichworte. Die Erläuter­ungen der Richtlinien passen nicht in einfache APPs, Tabellen oder Formulare.

Der Antrag auf einen Pflegegrad muss bei der Pflegekasse gestellt werden. Das machen Sie am Besten schriftlich (Muster). Nach einem Erst–Antrag muss die Pflegekasse innerhalb von 25 Arbeits­tagen Bearbeitungszeit den schriftlichen Bescheid zustellen. Im April 2018 meldet die Verbraucher­zentrale NRW, dass es zur Bearbeitungsfrist nur selten Beschwerden gebe. (Gräber 2018a)
Wenn seit der letzten Begutachtung durch den MDK die Selbstständigkeit deutlich nachgelassen hat, sollte eine Höherstufung beantragt werden.
Im Auftrag der Pflegekassen kommen (meist) MDK–Mitarbeitende zur Begutachtung in die Wohnung der Antrag­stellenden. Es muss beurteilt werden, wie weit die Selbstständigkeit erhalten ist. Dazu wurden die Verrichtungen des Alltags in acht Module und 65 Merkmale eingeteilt. Sie sehen: wieviel Stunden für die Pflege aufgewandt werden müssen, also der Zeitaufwand der bei den Pflegestufen so wichtig war, spielt keine Rolle mehr.
Die TK in Rheinland-Pfalz meldet, in 2017 habe sie 18 % mehr Erst­anträge als im Vorjahr bearbeitet (Ärzte Zeitung, 2018b).
Falls Sie mit dem bewilligten Pflegegrad nicht einver­standen sind, können Sie fristgerecht Widerspruch einlegen (Muster). Für die Bearbeitungszeiten für Erst­anträge auf einen Pflegegrad gibt es gesetz­liche Vorgaben. Verbindliche Fristen für die Bearbeitung von Widersprüchen werden nicht gemacht. Der SoVD beklagt im August 2018, dass die Betrof­fenen länger und länger warten müssten. Wenn Sie sich auf die Begutachtung durch den MDK gut vorbereiten können Sie einen Widerspruch vielleicht vermeiden.
Falls ein Widerspruch nötig scheint, können wir Sie individuell beraten.

Punkt Pflegenoten | Qualitätsdarstellungen

Wer professionelle Unterstützung sucht, findet in der Regel mehrere Altenheime oder Pflegedienste in erreich­barer Nähe. Es ist schwer „von außen“ zu erkennen, welche Einrichtung den passenden Service bietet. Bei dieser Entscheidung sollen die Pflegenoten helfen. Im besteh­enden System, das 2009 eingeführt wurde, müssen die Prüfteams vom MDK nach übermäßig büro­kratischen und lebens­fremden Regeln vor allem prüfen, was in den Akten der Einrichtungen steht. (FR, 2017) Im August 2018 wird eine pflegewissenschaftliche Studie zu Qualitätsdarstellungen der Pflege vorgelegt. Im September 2018 wird vom Gesundheits­ministerium erklärt: „Die neuen Verfahren zur Messung und Darstellung von Qualität sollen ab dem Jahr 2019 wirksam werden.“ (BMG, 2018b und MDS, 2018b)
Im Sprachgegrauch der Medizinischen Dienste (MDK) zeigen die Pflegenoten die Ergebnisse der Pflegequalitätsprüfungen. Die Forschungs­aufträge zur Entwicklung der Instrumente zur rund­erneu­erten Qualitätsprüfung und -darstellung für die ambulante und die stationäre Pflege wurden Anfang Januar 2017 vergeben. (MDS, 2018b) Im Juni 2018 kündigt Dr. Pick (MDS) verbindliche Neuer­ungen für Pflegeheime im Jahr 2019 und für ambulante Dienste im Jahr 2020 an. „Das neue Prüfverfahren wird noch viel stärker als bisher die bewohner­bezogene Qualität ins Zentrum der MDK-Qualitätsprüfung rücken. Im Fokus steht: Welche Pflegequalität kommt beim pflegebedürftigen Menschen tatsächlich an? ... Die soge­nannte Qualitätstransparenz – also das bisherige Darstellen der Pflegequalität in Pflegenoten – wird sich grundlegend verändern.“ (MDS, 2018a)
In Nordrhein-Westfalen soll 2019 eine Reform des Wohn- und Teilhabegesetzes (WTG) in Kraft treten. Damit würden Doppel­prüfungen abgeschafft. Die Qualität der Pflege werde künftig vom Medizinischen Dienst (MDK) geprüft. Die Heimaufsichten sollen vor allem struk­turelle Kriterien wie Personalschlüssel oder Raum­größe in Augenschein nehmen. "So erhalten die Einrichtungen mehr Zeit, um sich auf eine gute Versorgung und Betreuung der Pflegebedürftigen zu konzentrieren", erläuterte Karl-Josef Laumann.(Häusliche Pflege, 2018)

Max Geraedts hat Untersuchungen zur Versorgungsqualität in Altenheimen durchgeführt. Häuser in profitorientierter Trägerschaft wurden mit Häusern in gemeinnütziger Trägerschaft verglichen. Der Professor zeigt, dass letztere besser abschneiden. Die Erträge der Kapitaleigner fehlen bei der Versorgung der Pflegebedürftigen. (PlusMinus, 2018)

Punkt 24 Stunden Pflege zu Hause

Mit der Hilfe von osteuropäischen „Haushaltshilfen“ ermöglichen sich immer mehr Pflegebedürftige und Angehörige zu Hause wohnen zu bleiben. Doch die meist polnischen, rumänischen oder bulgarischen Frauen sind isoliert. Die Vermittlungs­agenturen engagieren sich selten für ihre Inter­essen. So fühlen sie sich den Beding­ungen ausgeliefert, die sie vorfinden. Seit Jahren werden es mehr und mehr Familien, die sich nicht anders zu helfen wissen. Und immer mehr Osteuropäerinnen verdienen ihren Lebens­unterhalt in noch nicht mal halb-legalen Arbeits­verhältnissen. Die deutsche Gesellschaft schaut zu.
Schattenwirtschaft
aus: RP, 2018d

Punkt Pflegegrade bei Kindern

Die Begutachtung zur Ermittlung des Pflegegrads von Kindern, folgt besonderen Regeln. Dazu gibt es viele Erläuter­ungen in den Begutachtungsrichtlinien (BRi) und sehr viele Einzel­fallent­scheidungen. Wir beschränken uns hier auf die Altenpflege.
... Details

Punkt Private Pflegezusatzversicherungen

Solche Policen gehen über die gesetzlich vorge­schriebenen Leistungen und Kosten hinaus. Das ist möglich, weil diese Verträge weit­gehend ungeregelt sind. Bei einem Vergleich der Zeitschrift Ökotest (Mai 2017) wird auf einige Fall­stricke hingewiesen: Es gibt Angebote, in denen keine Alters­rückstell­ungen gebildet werden. Mancher Vertrag verweigert Leistungen bei den besonders häufigen Pflegegraden 1, 2 und 3. Verträge, die nach den Regelungen des Pflege-Bahr staatlich bezuschusst werden, seien „oft ein teurer Flop“.
Viele Kund*innen erlebten zum Jahres­wechsel 2016/17 eine böse Über­raschung: die Prämien für die meisten Verträge wurden deutlich erhöht.

Punkt Zukunft der Pflegeversicherung

Im August 2018 veröffentlicht der NDR einen Beitrag mit dem Titel: Maxi­maler Gewinn auf Kosten der Pflege. Es wird beklagt, dass es in Altenheimen zu leicht möglich sei, den Gewinn der Invest­oren auf Kosten der Pflegebedürftigen und der Pflegekräfte zu maximieren. Heiner Garg, zustän­diger Minister: Am Personal zu sparen „ist für mich vollkommen inakzeptal.“ Auf Diskus­sionen zur Absenkung der Fachkräftequote lasse er sich überhaupt nicht ein. „Die Pflegerinnen und Pfleger arbeiten nicht am Anschlag, sondern meist schon darüber hinaus.“ Er bittet die Angehörigen darum, bei Proble­men die Heimaufsichten zu infor­mieren. Dann könne man tätig werden. Zum Personalmangel in den Heimaufsichten, zu Möglich­keiten die das Land Schleswig–Holstein hätte, Personalbesetzung von Nachtwachen in Altenheimen schon heute zu regeln, wird der Minister nicht gefragt. Das Verwaltungs­gericht Cottbus entscheidet im Novem­ber 2017, dass es nicht ausreichend sei, „eine Pflegefachperson in der Nacht für die Betreuung von 50 bis 60 Bewohnern einzusetzen“ (Pflegekammer interaktiv, 2018b). Welchen Personalschlüssel das Gericht für ausrei­chend hielte bleibt offen.
Beim Tag der offenen Tür des Gesundheits­ministeriums am 26. August 2018 sagte Jens Spahn zum SOFRORTprogramm für 13000 zusätz­liche Stellen in Altenheimen: „Das tritt zum 1.1.2019 in Kraft und ich gehe davon aus, dass im Januar die ersten Pflegefachkräfte eingestellt werden.“ Um diese Hoffnung des Ministers zu erfüllen, muss vor allem im Minist­erium noch viel getan werden. [... mehr lesen]

Zu den Pflegegraden wird es auch 2019 noch viele offene Detail­fragen geben. Es ist zu erwarten, dass in über 250 Seiten Begutachtungsrichtlinien (BRi) noch die ein oder andere miss­verständ­liche Formulierung steckt. Darüber hinaus: Jede Entschei­dung der Pflegekassen kann vor Sozialgerichten beklagt werden. Auch solche Entschei­dungen werden gelegent­liche Änder­ungen nötig machen. Zitat: Die „Begutachtungs-Richtlinien werden auch in Zukunft unter Berück­sichtigung von Erkennt­nissen, insbesondere der Pflegewissenschaft, der Medizin und der Recht­sprechung weiter zu entwickeln sein.“ (BRi, 2016, Seite 6) So wurde es auch mit den Vor­schriften zur Einstufung in die Pflegestufen gemacht.
Im Herbst 2017 berichtet der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK), dass 2017 zusätzlich über 400000 Menschen erstmals Leistungen aus der Pflegeversicherung erhalten (Quadbeck, 2017). 2018 bekommen drei mal soviele Menschen Leistungen der Pflegeversicherung als 1995. Die Aus­gaben der Pflegekassen wurden in den vergang­enen 20 Jahren um mehr als 100% gesteigert. (Die Zeit, 2018)
Ulrike Mascher (VdK): „Wir sind sehr froh über die ersten Ergeb­nisse der Pflegereform. Das Grund­problem ist aber ungelöst“: Es stehen zu wenige Pflegepersonen für zu viele Pflegebedürftige zur Ver­fügung (NOZ, 2017). Nach zehn Monaten mit den Pflegegraden melden die Gesund­heits­behörden Hamburgs: „Deutlich mehr Personal in Hamburgs Pflegeheimen“ (Hamburg, 2017). Auch dies ist eine Folge der seit 2017 aus­geweite­ten Leistungen der Pflegeversicherung.
Diese erfreulichen Entwicklungen lassen Risiken und Neben­wirkungen erwarten: „Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff ist derzeit noch auf aus­gespro­chen unglück­liche Art und Weise mit den alten Personalbemessungsstrukturen des Pflegestufensystems in der stationären Pflege verknüpft“ (Caritas, 2017)... Was inner­halb eines Jahres voraus­sichtlich dazu führen wird, dass deutlich weniger Personal in den Altenheimen die gleiche Arbeit wird machen müssen. Im Mai 2018 verkündet Gesundheits­minister Jens Spahn, dass noch nie so viele Menschen wie heute, mit Leistungen aus der Pflegeversicherung unter­stützt werden. Das koste mehr als erwartet. Darüber hinaus: Verbes­serungen der Arbeits­bedingungen für die Pflegekräfte werden auch höhere Kosten verur­sachen. Der Minister bringt eine weitere Steig­erung der Beiträge zur Pflegeversicherung ins Gespräch. (SZ, 2018a)
In Berlin wird 2016 verlaut­bart, dass verbindliche Personalschlüssel in der (Alten)Pflege im Jahr 2020 beschlos­sen werden sollen (Deutscher Bundestag, 2016). Bisher wird der Personalbedarf in Rela­tion zu den Pflegegraden bestimmt. Das ist viel zu ungenau (PTHV, 2018a). Ein Schritt in diese Richtung ist eine Verord­nung des Gesundheitsministers Jens Spahn: ab 2019 gelten Mindestvorgaben für die Pflegepersonalberechnung in einzelnen Bereichen im Krankenhaus. (Groll, 2018) Ziel dieser Verordnung sei es, so der Minister, „dass Häuser mit zu wenig Pflegepersonal Betten abbauen.“ (Wagner, 2018) „Deutschlands Pflegesystem sei überfordernd, ungerecht und gehe am Pflegebedürftigen vorbei“, meldet Radio Bremen im Oktober 2018. Es wird eine Studie beschrieben, die den Personalbedarf in der stationären Altenpflege ermitteln soll ().
Woher sollen die zusätz­liche Pflegekräfte kommen, die mehr Ver­sorgungs­ssicher­heit und Lebensqualität in den Alltag der Pflegebedürftigen bringen? Es soll in keinem Bundes­land mehr Schulgeld in der Altenpflegeausbildung geben. Das trägt hoffentlich dazu bei, dass mehr ausgebildet wird. In NRW wird das Problem mit der Finan­zierung der Ausbildungsstätten angegangen: „Die derzeit geltende Schulkostenpauschale in Höhe von 280 Euro pro Kopf und Monat war in Fachkreisen schon lange als nicht auskömmlich kritisiert worden. Sie soll im kommenden Jahr auf 380 Euro steigen.“ (RP, 2018) Spätestens 2020 soll auch im letzten Bundesland das Schulgeld für die Altenpflegeausbildung abgeschafft werden. Seit einigen Jahren laufen staatlich unterstützte Programme, um im Ausland Menschen zu werben, die hier in der Pflege arbeiten. Für die FDP kritisierte die Bundestagsabgeordnete Nicole Westig scharf das Mißverhältnis zwischen Aufwand und Erfolg: „Angesichts von aktuell rund 30 000 offenen Stellen in der Pflege seien die Ergebnisse völlig unbefriedigend.“ (FR, 2018b)
Gerade in ländlichen Gebieten reicht das Angebot von ambulanten pflegerischen Hilfen oft nicht aus (Pokraka, 2017). Hinzu kommt, dass es auch zu wenig ärzt­liches Interesse gibt, auf dem Dorf zu arbeiten. Innerhalb der besteh­enden Abgrenz­ungen der medizi­nischen und pflegerischen Versorgung werden sich diese Probleme kaum lösen lassen. Unter dem Titel Schwester Agnes laufen seit Jahren Modell­projekte in Branden­burg und Rhein­land-Pfalz, die Pflegefachkräfte mit einem weiteren Aufgaben­feld über die Dörfer schicken. Im August 2018 werden für NRW ähnliche Initiativen gefordert (RP, 2018c).
Die smarte digitale Reise geht in Richtung „seniorengerechte Systeme“. Es werden Haushaltsroboter, vernetzte Pflege­sessel, Sturzsensoren oder Sprachassistenzen entwickelt. Ob das zu einer Rundum-Über­wachung für das „altersgerechte Leben daheim“ führt? 2018 geht es vor allem um Technik, die Menschen hilft Bewegungseinschränkungen im Alltag ohne mensch­liche Hilfe zu bewältigen. Was von Fitness APPs bekannt ist, kommt als Sensoren zur Erfassung von Gesund­heits­daten auch langsam in der Altenhilfe an. Systeme mit selbst fahrenden Robotern wie PEPPER, die zum Beispiel in der Freizeit­beschäf­tigung eingesetzt werden können,sind für die nächtsen Jahre nicht alltags­tauglich. (WDR, 2018) [... mehr zum Thema]

VdK und DGB fordern mit anderen Organi­sationen seit Jahren die Ein­nahmen der gesetz­lichen Pflegeversicherung zu verbessern. Deshalb solle eine Bürgerversicherung eingeführt werden, in die auch die­jenigen einzahlen, die Mitgleider der privaten Krankenversicherungen sind (VdK, 2014).
Kristiana Ludwig schreibt 2018 in der Süd­deutschen Zeitung: „Der Staat muss Pflege endlich als Daseins­vorsorge begreifen. Eine Pflege-Voll­versicherung wird alle Bürger mehr kosten, aber auch alle besser absichern,“ fordert also eine deut­liche Aus­weitung der Leistungen der Pflegeversicherung (Ludwig, 2018). In der taz reflektiert Chri­stoph Lixen­feld Erfahr­ungen aus Schweden. Er argumentiert, dass die Pflegeversicherung Ursache für viele Probleme in Deutsch­lands Altenhilfe sei. Er fordert: Pflegeversicherung abschaffen! (Lixenfeld, 2018)

Im Herbst 2018 ist Wahl­kampf in Bayern. Die CSU verheißt einenRechts­anspruch auf einen Pflegeplatz für alle Pflegebedürftigen ab Pflegegrad 2 (unabhängig vom Alter). Die bayer­ische Gesundheits­ministerin Melanie Huml: „Das ist ein großer Tag für die Pflege.“ (Wäre der „große Tag“ nicht eher der Tag, an dem diese Idee Gesetzeskraft erlangt – und der Anspruch einklagbar wird?) (Schwäbische, 2018)

Im Sommer 2018 bringen Grüne und Linke das Thema pflegebedingte Eigenanteile in Altenheimen in den Gesundheits­ausschuss des Bundes­tags. Durch die Pflegereform kamen 2017 landes­weite Einheits­beträge. Im April 2018 sind durch­schnitt­lich gut 600 € pro Monat fällig – von 237 € in Thüringen bis 872 € in Berlin (Süd­deutsche, 2018b). Der monat­lich von den Pflegebedürftigen zu zahlende Gesamt­betrag ist durch­schnittlich 1831 €. Das reicht von 1201 € in Sachsen bis zu 2326 € in Nord­rhein-West­falen. (FR, 2018) Laut Andreas Storm (DAK-Gesundheit) habe sich diesen sich diese Zahlungen seit 1995 nahezu veracht­facht (Saarbrücker Zeitung, 2018). Heiner Garg (FDP): „Die Eigenanteile der Heimbewohner werden immer höher. Ich halte das für nicht mehr zumutbar.“ (NDR, 2018)
Es wird diskutiert, die Höhe des Eigenanteils zu deckeln (MDR, 2018) oder private Pflege–Zusatzversicherungen auch für diese Kosten einzu­führen (HiB, 2018). [Mehr zu Eigenanteilen ...]
„Pflegekräfte sollen besser bezahlt werden. Doch wer soll das finan­zieren? Gerade in NRW reicht die Rente vielfach nicht für die Pflege.“ Daher mahnt der Politik­wissen­schaftler Wolfgang Schroeder: Das geht so alles gar nicht mehr. (Politikum, 2018)

Ein Blick über den Teller­rand, über die Landes­grenze macht deutlich, wie groß der Abstand zwischen dem Anspruch: Altenpflege, die die Würde des Menschen achtet und dem Alltag von Pflege und Gesund­heits­politik in Deutsch­land ist. In Dänemark sind die Kommunen für alles zu­ständig, was die Altenpflege angeht, auch für die Pflege­prophylaxe. Die Tages­themen zeigen die Auswirkungen:
Würdevolle Pflege auf Staatskosten (gesendet am 15. August 2018)


Quellen:
qr-Code erstellt mit www.goqr.me
– Ärzte Zeitung, 2018b
– Augsburger Allgemeine, 2018a
– BRi, 2016
– Bundesministerium für Gesundheit (BMG) 2018b
– Caritas, 2017
– Deutscher Bundestag, 2016
– Die Zeit, 2018
– FAZ, 2016
– FR (Frankfurter Rundschau), 2017
– FR (Frankfurter Rundschau), 2018
– FR (Frankfurter Rundschau), 2018b
– Fricke, 2017
– Gräber, 2018a
– Groll, Tina, 2018
– hamburg.de, 2017
– Handelsblatt, 2018c
– Häusliche Pflege (Fachzeitschrift) 2018
– HiB, Heute in Bundestag 2018
– Lixenfeld, 2018
– Ludwig, Kristiana, 2018
– Märkische Allgemeine (MAZ) 2018
– Marsh, 2018
– MDR, 2018
– MDS, 2018a
– MDS, 2018b
– MoMa (Morgenmagazin), 2018
– Müller, Benedikt (2018)
– NDR, Schleswig-Holstein Magazin, 29.06.2018
– Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) am 24. Oktober 2017
– NWZ, Nordwest Zeitung, 2018
– Ökotest, Mai 2017
– Pflegekammer interaktiv. Das Magazin der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz (2018b)
– Philosophisch-Theologische Hochschule Vallendar (PTHV) 2018a
– PlusMinus, 2018
– Politikum (Radiosendung auf WDR 5), 2018
– Pokraka, Daniel (2017)
– Quadbeck, 2017
– Radio Bremen, 2018
– Rheinische Post (RP) 2018b
– Rheinische Post (RP) 2018c
– Rheinische Post (RP) 2018d
– Saarbrücker Zeitung, 2018
– Schwäbische, 2018
– Sozialverband Deutschland (SoVD) 2018
– Süddeutsche Zeitung (SZ), 2018a
– VdK, 2014
– Wagner, Wolfang in der Zeitschrift Dr med Mabuse, 2018
– WDR, 2018
[ausführliche Quellenangaben]

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Letzte Aktualisierung: 20.11.2018