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Stichwort | Umbaumaßnahmen

Alle, denen mindestens Pflegegrad 1 zugestanden wurde, haben Anspruch auf finanz­ielle Unter­stützung bei Umbaumaßnahmen. Das ist im § 40 (4) SGB XI geregelt. Wichtig: Grundsätzlich muss der Antrag von der Pflegekasse genehmigt werden, bevor die Maßnahme durchgeführt wird.
Es wird von „Wohnumfeld verbessernden Maßnahmen“ geschrieben. Dabei geht es in der Regel um fest eingebaute Gerät­schaften. Zum Beispiel: ein zweiter Handlauf im Treppen­haus, Einbau einer höheren Toilette, absenken der Schwelle zum Balkon, Einbau einer Tür­gegen­sprech­anlage, die über das schnur­lose Telefon bedient werden kann ...
Im Gesetz ist nicht zu lesen, dass nur einmalig ein Badumbau finanziert würde. Auch nichts davon, dass nach einer finan­zierten Maßnahme eine gewisse Zeit zu vergehen habe, bis der nächste Antrag genehmigt werden dürfe.

Wenn Sie sich den organi­sator­ischen Aufwand eines Umzugs vor Augen führen, wird sofort klar, dass die Formu­lierung „Wohnumfeld verbessernde Maßnahmen“ weite Entschei­dungs­spiel­räume bei den Pflegekassen erlaubt.
Es gibt Berichte, dass, wenn ein Umzug durch­geführt wird, um Alltag und Pflege zu erleichtern, Umzugskosten (zum Beispiel eine Firma die Mobiliar und Hausrat ein- und wieder auspackt) bezu­schusst wurden. Jede einzelne Maßnahme kann mit max. 4000€ bezuschusst werden... also max. 4000€ für eine Rampe vom Hoch­paterre zum Straßen­niveau. Die nächsten max. 4000€ für die Verbrei­terung der Tür ins Bad. Die nächsten max. 4000€ für das Entfernen der Bade­wanne und den Einbau einer behin­derten­gerechten Dusche. Wieder 4000€ für den Einbau eines Treppenlifts in die 1. Etage, wo das große Bad ist ... Derlei ist denkbar.

So „spendabel“ zu sein, sollte sich gesell­schafts­poli­tisch auszahlen: in den nächsten Jahr­zehnten wird der Bedarf an Wohnungen, die auch mit Rollator/Rollstuhl nutzbar sind, explodieren.
Ob allerdings in der zuständigen Abteil­ung der Pflegekasse solche Gedanken auf Gegen­liebe stoßen, ist eine andere Frage. Werden dort die Entschei­dungs­spiel­räume eng ausgelegt, könnte es schwierig werden.

Und jetzt mal praktisch:
Seit Januar 2017 sollen die MDK-Profis in den Gutachten zur Ermittlung des Pflegegrads aus­führ­lich schreiben, was an „Wohnumfeld verbessernden Maßnahmen“ sinnvoll ist. Steht eine Begutachtung an, sollten Sie die Gelegen­heit unbedingt nutzen, möglichst viel von ihrem realistisch zu erwartenden Bedarf von den Gutachtenden doku­men­tiert zu bekommen. Was im Gutachten steht, kann von der Pflegekasse kaum abgelehnt werden.
Falls gerade keine Begutachtung ansteht:
Es gibt Pflegestützpunkte, die auch von den Pflegekassen finanziert werden. Dort werden Pflegebedürftige (und Angehörige) kostenfrei und individuell beraten. Dort sollen Ihnen auch die Fragen beant­wortet werden, die sich im Zusammen­hang mit § 40 SGB XI stellen. Zusätzlich sollte man dort auch zu lokal tätigen Handwerks­betrieben und der Genhemigungs­praxis einzelner Pflegekassen Auskunft geben können.

Manche Umbaumaßnahmen können mit „do-it-yourself“ gelingen. Ob die Erstat­tung der Material­kosten den büro­krati­schen Aufwand lohnt? Der Einbau eines Treppenlift kostet beim Marken­hersteller 8000€ bis 12000€ (Müller, 2018). Die ersten 4000€ kämen von der Pflegekasse – das wäre einiger Mühen wert.

Neben den Leistungen der Pflegeversicherung gibt es weitere Unter­stützungs­möglich­keiten von Bund, Ländern und vielen Gemeinden. Zum Beispiel Bundes­mittel, die über die KfW vergeben werden: Bis zu 1600€ Zuschuss können für Maßnahmen zum Einbruch­schutz in Bestands­immobilien gewährt werden. Bis zu 50000€ Kredit ab 0,75% Zinsen könnte es für Umbauten geben, die Barrieren mindern. (Stand August 2018)
Auch von den Bundes­ländern, zum Beispiel Nieder­sachsen und Branden­burg, gibt es Fördermittel für senioren­gerechte Umbauten (Handelsblatt, 2018b)
Die Pflegestützpunkte sollten auch zu solchen Förder­programmen beraten können.


Quellen:
– Handelsblatt, 2018b
– Müller, Benedikt (2018)
[ausführliche Quellenangaben]

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Letzte Aktualisierung: 01.12.2018