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Stichwort | Eigenanteil

Die Zahlungen der Pflegebedürfigen an die Pflegeheime setzen sich im wesent­lichen aus drei Teilen zusammen: Unter­kunft und Ver­pflegung, Investitions­kosten­anteil und Pflegekosten. Hinzu kommt in vielen Bundes­ländern die Ausbildungsumlage. Die meisten Pflegeeinrichtungen bieten außerdem Zusatz­leistungen an, die kaum geregelt sind und immer privat bezahlt werden müssen. „Die Heimträger sind gesetzlich dazu verpflichtet, diese Leistungen nach Art und Umfang im Einzelnen zu benennen.“ (Verbraucherzentrale, 2017)
Gewinnorientierte Unternehmen haben an vielen Stellen die Möglichkeit Einnahmen zu erhöhen und Ausgaben zu mindern. Max Geraedts hat Untersuchungen zur Versorgungsqualität in Altenheimen in der ARD Sendung PlusMinus vorgestellt. Häuser in profitorientierter Trägerschaft wurden mit Häusern in gemeinnütziger Trägerschaft verglichen. Der Professor zeigt, dass letztere besser abschneiden. Was die Kapitaleigner entnehmen, fehlt bei der Versorgung der Pflegebedürftigen. (PlusMinus, 2018)
Nur für die Pflegekosten gilt seit 2017:
„Mit dem Pflegestärkungsgesetz II wird in den vollstationären Pflegeeinrichtungen ein einheitlicher pflegebedingter Eigenanteil für die Pflegegrade 2 bis 5 eingeführt, d.h. der pflegebedingte Eigenanteil ist bei allen Pflegebedürftigen unabhängig vom jeweiligen Pflegegrad innerhalb eines Pflegeheimes identisch und steigt nicht wie bisher bei einer Höherstufung. Der pflegebedingte Eigenanteil wird in den Vergütungs­verhand­lungen speziell für jede Einrichtung ermittelt, d.h. er unterscheidet sich zwischen den Pflegeheimen. Hinzu kommen für den Pflegebedürftigen Kosten für Ver­pflegung, Unter­kunft und Investitionen - auch diese Kosten unter­scheiden sich von Pflegeheim zu Pflegeheim.“ (Miele–BKK) Sind noch keine Ver­gütungs­verhand­lungen zwischen Einrichtung und Kosten­träger zum Eigenanteil abgeschlossen, müssen Sie mit 580€ pro Monat rechnen. (Westdörp, 2016)

Im Sommer 2018 bringen Grüne und Linke dieses Thema in den Gesund­heits­ausschuss des Bundes­tags. Abhängig vom Bundes­land müssen sehr unter­schiedliche pflegebedingte Eigenanteile gezahlt werden. Im Durch­schnitt sind gut 600€ pro Monat fällig – von 237 € in Thüringen bis 872 € in Berlin (Süd­deutsche, 2018b). Die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen werden sich allerdings mehr für den monatlich zu zahlenden Gesamt­betrag interessieren. Die Frankfurter Rundschau hat Durch­schnitts­werte für Unter­kunft und Ver­pflegung, Investitionskostenanteil einschließlich Pflege (Juni 2018) veröffentlicht, deren Berechnung vielleicht nicht übermäßig verlässlich ist.
Bund: 1831 €
Nordrhein-Westfalen: 2326 €
Saarland 2247 €
Sachsen 1201 €
Sachsen-Anhalt 1205 €
Es wird diskutiert, die Höhe des Eigenanteils zu deckeln (MDR, 2018) oder private Pflege–Zusatz­versicherungen auch für diese Kosten ein­zu­führen (HiB, 2018). Zu diesem Thema sagt Andreas Storm (DAK-Gesund­heit), seit Beginn der Pflegeversicherung 1995 hätten sich die Zuzahlungen der Pflegebedürftigen in Altenheimen nahezu verachtfacht. 2018 sei jeder dritte Mensch, der in einem Altenheim wohne, auf Unter­stützung vom Sozialamt angewiesen. Es sei „völlig inakzep­tabel“ das regelmäßig mehr gefordert werde, als die gesetz­liche Rente zahlt. Der Kassen­chef fordert „einen einheit­lichen Betrag, den der Pflegebedürftige oder die Angehörigen zahlen, gestaffelt nach Pflegegraden. Alles, was darüber hinausgeht, trägt die Pflegeversicherung.“ (Saarbrücker Zeitung, 2018)

Themenseite der Verbraucherzentrale: Kosten im Heim: Was Sie selbst tragen müssen (Januar 2017).

Quellen:
– Der Paritätische, 2016
– Deutschlandfunk (DLF), 2016a
– FR (Frankfurter Rundschau), 2018
– HiB, Heute im Bundestag, 2018
– MDR, 2018
– Miele–BKK
– PlusMinus, 2018
– Saarbrücker Zeitung, 2018
– Süddeutsche, 2018b
– Verbraucherzentrale, 2017
– Westdörp, 2016
[ausführliche Quellenangaben]

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Letzte Aktualisierung: 20.11.2018