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Stichwort | Angehörige

Denken Sie daran: Geht es Ihnen nicht gut,  können Sie  auch nicht gut pflegen.*Viele Menschen, die Hilfen brauchen um Verrichtungen des täglichen Lebens zu bewältigen, tauchen in keiner Statistik auf. Wenn der MDK feststellt, dass die Voraussetzungen für Leistungen aus der Pflegeversicherung nicht erfüllt sind, auch nicht nach den Verbesserungen durch die Pflegegrade (ab 2017), dann bleiben die pflegerischen Hilfen durch Angehörige weitgehend unbemerkt. Aber auch mit Pflegegrad und Pflegedienst Leisten Angehörige oft mehr, als Außenstehende sich vorstellen können (Reiter, 2017). Die gesellschaftliche Bedeutung der familialen Pflege macht eine Zahl aus England deutlich: über 10% der Gesamtbevölkerung leisten regelmäßig pflegerische Hilfen für Verwandte oder Bekannte (Marsh, 2018).
Wie ist der Alltag für pflegende Angehörige? So wenig vorherzusagen wie das Leben von Menschen die pflegebedürftig sind. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat 2017 ein Interview mit Tabitha Maria Scheuer veröffentlicht. Sie ist etwas über 20 „und pflegt seit Jahren ihre Eltern“. Lesenswert! Vom WDR TV gibt's einen realistischen Bericht: Mama pflegen: Schaffe ich das? (2019). Die pflegenden Angehörigen genießen weitgehenden Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Von dort gibt es einen Tipp gegen Überforderung: „Nutzen Sie frühzeitig die Beratungsangeote der Pflegestützpunkte, der Verbraucherzentralen, der Pflegekassen, der Wohlfahrtverbände oder anderer Einrichtungen, um sich ausführlich über Unterstützungs- und Finanzierungsmöglichkeiten zu informieren.“ (DGUV, 2018, Seite 8)
Im Auftrag des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) werden Beschäftigte regelmäßig zur Qualität der Arbeit befragt. 2017 ging es auch um die Vereinbarkeit von Pflegeverantwortung und Erwerbsarbeit. „Dabei kam heraus, dass jeder elfte Beschäftigte neben seiner beruflichen Tätigkeit eine oder sogar mehrere Personen zu Hause pflegt, was zu Problemen führt. Teilzeit würde zwar helfen, doch dann entstehen finanzielle Lücken. Überwiegend Frauen und ältere Beschäftigte übernehmen die Pflegeverantwortung in der Familie. Im Durchschnitt kostet sie das 13,3 Stunden pro Woche.“ (VerDi, 2018) Diese Zahlen unterstreichen die gesellschaftliche Bedeutung der Leistungen pflegender Angehöriger. [Details des DGB zu Pflege und Erwerbsarbeit pdf Logo]

Entlastung im Pflegealltag

Wer pflegebedürftig ist und zu Hause lebt, ist in der Regel darauf angewiesen, dass Angehörige oder Freunde helfen. Fallen diese Pflegepersonen aus, kann es schwierig werden: das Duschen findet nicht mehr statt, der Kühlschrank leert sich und niemand sieht im Briefkasten nach. Ist die Pflegeperson im Urlaub oder selbst krank oder ... könnten Verhinderungspflege oder Kurzzeitpflege in Anspruch genommen werden. (Im Februar 2019 berichtet der Bayerische Rundfunk über die Situation der Kurzzeitpflege in Ingolstadt. Dort gibt es viel zu wenig Angebote. Das ist vielerorts so.)
Unter der Überschrift Stadtteilservice werden an mehreren Orten mit Unterstützung der Arbeitsagentur Hilfsangebote gemacht. Dabei geht es um Begleitung bei Einkäufen, Friedhofsbesuchen oder gemeinsamer Hausarbeit. (Solche Angebote gibt's zum Beispiel in Düsseldorf, Essen, Passau oder Wuppertal). Menschen werden mit Ein–Euro–Jobs ausgestattet und bieten Älteren ihre Unterstützung als Stadtteilhelfer an.
In der Fernsehsendung WISO (ZDF) gibt es allgemeine Tipps: Wohnen im Alter: Welche Wohnform ist die richtige? (17. Juni 2019) ... Manchmal ist ein Umzug eine wirklich gute Idee.
Eine Lobbygruppe für pflegende Angehörige ist wir pflegen.

Viel besprochen und viel beworben werden 24 Stunden Pflege Verträge, bei denen Frauen (meist aus Osteuropa) auf Zeit im Haushalt der Pflegebedürftigen wohnen (Paaßen, 2017b). Dazu schreibt der Professor für Sozialrecht Stefan Sell: „Es gibt im Grunde keine wirkliche legale, also nicht gegen deutsche Arbeits- und Sozialgesetze verstoßende Ausgestaltung eines irreführend oftmals als '24-Stunden-Pflege' apostrophierten Betreuungsarrangements.“ (2019a)

Ernährung

Eine wichtige Aufgabe, die von vielen pflegenden Angehörigen übernommen werden muss, ist die Ernährung. Nach wenigen Wochen und meist schon nach dem zweiten Arztbesuch tauchen dazu Fragen auf. Und wenn es nur ist: Was koche ich heute.

Die Ursachen für Appetitlosigkeit können vielfältig sein: Kau- und Schluckbeschwerden, Übelkeit, Durchfall oder Erbrechen. Das jemand Untergewicht hat, kann auch an innerer Unruhe liegen: Wer ständig in Bewegung ist verbraucht mehr Kalorien. Oft sind es Pflegende, die dann eingreifen müssen. In Altenheimen gilt es zusätzlich, viele bürokratische Vorschriften zu beachten. Wir haben grundsätzliche Überlegungen zu Untergewicht von Pflegebedürftigen beschrieben. Außerdem finden Sie praktische Tipps, wie von Angehörigen und von Profis aus Hauswirtschaft und Pflege reagiert werden kann.
Unsere Internetseiten zur Mangelernährung (überarbeitete Fassung August 2017).
Alte essen anders, unser Beitrag über eine Rezeptdatenbank der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (10. November 2017).
Ratgeber für Angehörige und Profis: Ernährung in der häuslichen Pflege von Menschen mit Demenz der Deutsche Alzheimer Geselschaft (Link geprüft am 26. Februar 2019).

Urlaub ...

Es gibt verschiedene Organisationen, die spezielle Angebote machen, damit Demenzkranke mit ihren Angehörigen Urlaub machen können. Zum Beispiel www.wir-pflegen.nrw. Hier ein Einblick in eine Auszeit speziell für pflegende Angehörige.
Eine Internetsuche nach Pflegehotel bringt zig Treffer ... die Qualität der Angebote schwankt aber sehr.

Sozialversicherung für pflegende Angehörige

Unter Umständen zahlt die Pflegeversicherung für Pflegepersonen in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Wer 12 Monate einem Pflegebedürftigen hilft (und die Voraussetzungen erfüllt) stockt die gesetzliche Rente bei Pflegegrad 2 um mindestens 5,40€ und bei Pflegegrad 5 um höchstens 29,86€ monatlich auf. (Stand 2017) 2016 als es noch die Pflegestufen gab, wurden von den Pflegekassen etwa 1 Mrd € an die Rentenversicherung überwiesen. 2017, im ersten Jahr mit den Pflegegraden, stieg dieser Betrag auf über 1,5 Mrd €. (Handelsblatt, 2018) Auch hier zeigt sich die große gesellschaftliche Bedeutung der Leistungen pflegender Angehöriger.
[ Mehr zur Rentenversicherung für Angehörige].

Pflegende Angehörige sind während der Pflege über die Pflegekasse in der gesetzlichen Unfallversicherung versichert. [Mehr zur Unfallversicherung für Angehörige].

Pflegezeit für Angehörige

Wenn jemand neu akut pflegebedürftig wird, können nahe Angehörige Anspruch auf Arbeitsbefreiung bis zu 10 Tagen haben (§ 2 PflegeZG und § 44a SGB XI Absatz 3). Als Pflegezeit wird auch die geplante auch teilzeitliche Befreiung von der Arbeit bis zu 24 Monaten (§ 3 PflegeZG und § 4 PflegeZG). Für die Begleitung Angehöriger in der letzten Lebensphase zu Hause oder in einem Hospiz haben Angehörige einen Rechtsanspruch darauf, drei Monate lang weniger zu arbeiten oder auch ganz auszusetzen (§ 3 (6) PflegeZG). Manche dieser Regelungen gelten nur für Betriebe mit mehr als 15 oder mehr als 25 Angestellten.
[Mehr über die Pflegezeit ...]
2018 geht der VdK mit der Forderung an die Öffentlichkeit, Analog zur Elternzeit eine „Pflegepersonenzeit“ zu schaffen. Pflegende sollten einen Rechtsanspruch darauf haben, teilweise oder vollständig von der Arbeit freigestellt zu werden. Dazu müsste es auch eine Geldleistung geben. (VdK, 2018c)

Geldwerter Tipp:
Hilfsmittel wie Wechseldruckmatratze oder Sauerstoffkonzentrator brauch Strom. Das ist in einer Stunde nicht viel ... in den vielen Stunden eines Jahres macht sich das aber auf der Stormrechnung bemerkbar. Auch Treppenlifte und die Akkus von Elektromobilen oder Elektrorollstühlen ziehen viel Strom, wenn sie häufig benutzt werden. Otto Beier erklärt auf www.pflege-durch-angehoerige.de, dass die gesetzlichen Kassen grundsätzlich verpflichtet sind die Stromkosten für verordnete Hilfsmittel zu übernehmen.
Und jetzt mal ganz alltäglich: Sie müssen nicht alles selbst machen, zum Beispiel: Staubsaugen. Allgemeines zu Saugrobotoren finden Sie in der Zeitschrift test Ausgabe März 2019. Die meisten öffentlichen Bibliotheken haben test abonniert.

* Das steht so in einer Broschüre der gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV, 2018): Zu Hause pflegen - So kann es gelingen, (Pressemitteilung mit Link zum Download)


Quellen:
(1) Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg, 2017, Seite 11
– Bayerischer Rundfunk, 2019a
– Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), 2018
– FAZ (Frankfurter Allgemeine Zeitung), 2017
– Handelsblatt, 2018
– Marsh, Sarah (2018)
– Reiter, Anja (2017)
– Sell, Stefan (2019a)
– test (Zeitschrift) die Ausgabe März 2019 bringt auch Artikel zu den Themen: Saugroboter, Vorsorgevollmacht, Vitaminpräperate, Rollatoren
– VdK, 2018c
– VerDi, 2018
– WDR, 2019a
[ausführliche Quellenangaben]

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Letzte Aktualisierung: 19.07.2019