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Nachrichten aus der Pflege | 30. Januar 2017

Die letzten Tagen des Lebens

Viele, die sich Gedanken über das Ende des eigenen Lebens machen, fürchten Krankenhauszimmer und Intensivmedizin. Schwieriger ist es Wünsche zu formulieren, wo und mit wem das Ende der eigenen Tage sein sollte. Die DAK hat diese Fragen in den Mittelpunkt ihres Pflegereports gestellt: »Palliativversorgung: Wunsch, Wirklichkeit und Perspektiven«.

Die DAK hat die Versorgung von Sterbenden in den Mittelpunkt des Pflegereports 2016 gestellt. Einige Aussagen daraus:
„Offensichtlich gibt es eine Diskrepanz zwischen dem Wunsch der Menschen und der Wirklichkeit: 80 % der Pflegebedürftigen wollen zu Hause sterben, tatsächlich sterben 80 %“ in Einrichtungen wie Krankenhäusern oder Altenheimen (Seite V). Dabei ist „nicht jeder Krankenhausaufenthalt überflüssig, nicht jede Pflegesituation lässt sich zu Hause bis zum Schluss meistern. Gleichwohl muss davon ausgegangen werden, dass ein Großteil der prämortalen Krankenhausaufnahmen und Verlegungen ins Pflegeheim vermeidbar sind. Das zeigen nicht nur Erfahrungen der Spezialisierten Ambulanten Palliativ-Versorgung (SAPV) für die von ihr palliativ versorgten Patientinnen.“ (Seite 6)
Thomas Klie hat den Pflegereport im Auftrag der DAK zusammengestellt. Er hat auch Interviews mit Menschen einfließen lassen, die ihre sterbenden Angehörigen zu Hause versorgt haben. „Gerade die Pflegeerfahrenen betonen die Bedeutung der eigenen Häuslichkeit als würdesichernden Sterbeort, fordern aber zugleich die Unterstützung durch Professionelle und Freunde ein: Immerhin 66 % halten diese gerade in der häuslichen Situation für hoch bedeutsam. Auch betonen sie, dass es in vielen Situationen gut wäre, wenn ehrenamtliche Helferinnen und Helfer die Angehörigen bzw. den Sterbenden unterstützen würden ... Damit wird in überraschend deutlicher Weise die Begleitung Sterbender nicht als individuelle sondern als gesellschaftliche Aufgabe verstanden, an der eben nicht nur die Familien, nicht nur die Professionellen sondern auch Freiwillige zu beteiligen wären.“ (Seite 6) „Fast jeder Zweite in der erwachsenen Bevölkerung hat schon einmal das Sterben von Angehörigen oder Freunden miterlebt und zuvor Zeit mit den Sterbenden verbracht.“ (Seite 38) „Trotz der überwiegend positiven Wahrnehmung des häuslichen Sterbens würden sich nur 35 % der Bevölkerung die Pflege eines sterbenden Angehörigen oder Freundes zutrauen, 41 % würden sie sich nicht zutrauen.“ (Seite 25)
„Frau Albrecht hatte noch nie jemanden zuhause am Lebensende versorgt und begleitet. Im Gegenteil: 'Ich habe immer gedacht, ich kann das nicht', berichtet sie. Kontakt mit sterbenden Menschen mied sie, konnte sich nicht vorstellen, dass man das überhaupt aushalten könne. Bei ihren Eltern war dann alles ganz anders. 'Wenn man das dann selbst mal so hautnah miterlebt, da ist das was ganz anderes. Ich denke, da wächst man rein. Dadurch, dass ich sie ein Jahr lang oder noch länger in der Pflege begleitet habe, ist das dann was ganz Verständliches. Irgendwie habe ich ja damit rechnen müssen, dass, wenn ich sie pflege, dass es irgendwann einmal zu Ende geht. Ich finde, da wächst man irgendwie so rein.' Für das Reinwachsen braucht es nach Ansicht von Frau Albrecht konkrete Erfahrungen; einen gemeinsamen Alltag, praktisches Erleben und Mitgefühl.“ (Seite 69)
In einem Interview wird von einem Pflegekurs berichtet: „Wir haben im Krankenhaus geübt, am Waschlappen, wie sich das anfühlt, wenn man mit der Spritze jemanden pieksen muss. Die ersten drei, vier Mal waren schon eine Überwindung. Aber wenn ich mir vorstelle, wie viel Morphium ich meiner Mutter gespritzt habe. Wenn man sieht, wie man jemandem die Schmerzen nehmen kann oder helfen kann, naja, dann ist das ein Klacks“. (Seite 72)
Für diesen Pflegereport wurden Daten von 61 056 pflegebedürftigen Versicherten ausgewertet. Sie waren zum Zeitpunkt ihres Todes durchschnittlich 83,2 Jahre alt (Frauen: 84,6; Männer: 80,7; Seite 44).
Eine öffentlich häufig vertretene These ist, dass Menschen besondes hohe Krankheitskosten verursachen, wenn der Tod nicht mehr weit ist. Die Daten der DAK zeigen: Durchschnittlich gibt die gesetzliche Krankenkasse in den zwölf Monaten vor dem Tod 15 723 € pro Mitglied aus. (Seite 44) Urteilen Sie selbst, ob das in Ihren Augen viel ist.
Seit Jahren wird darüber diskutiert, die ambulante Palliativ–Versorgung auszuweiten. An vielen Stellen zeigt der DAK-Pflegereport, dass sowohl Sterbende wie auch ihre Angehörigen sich das wünschen und so auch nachweislich entlastet werden könnten. Leider kann auf der Basis dieser Versichertendaten nicht nachgewiesen werden, dass die SAPV in der Lage wäre belastende, kostspielige Krankenhausaufenthalte zu vermeiden. (Seiten 54-55) Diese und noch viel mehr Zahlen zur Versorgung Sterbender sind im Pflegereport zugänglich gemacht worden. Diese Daten werden in den kommenden Jahren Eingang in viele Veröffentlichungen zum Thema finden.

Die DAK lässt schreiben: „Die Abrechnungsmodi der Pflegedienste stehen einer umfassenden Verantwortungsübernahme für die Steuerung des Pflegeprozesses eher im Wege ... Die allgemeine ambulante Palliativ–Versorgung durch Pflegedienste ... liegt auch quer zum geltenden Leistungserbringungsrecht.“ (Seite 13)
Es ist zu vermuten, dass viele Abrechnungsverantwortlichen von ambulanten Pflegestationen und Palliativdiensten dieser Aussage aus vollsten Herzen zustimmen.


Zu Hause sterben – Wunsch wird selten Wirklichkeit, Pressemeldung der DAK zur Veröffentlichung des Pflegereports (19. Oktober 2016).

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Letzte Aktualisierung: 30.01.2017