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Stichwort | Hilfsmittel

Hilfsmittel sollen die Pflegebedürftigen bei der Bewältigung des Alltags unterstützen. Als Hilfsmittel gelten Gegenstände, „die im Einzelfall erforderlich sind, um den Erfolg der Krankenbehandlung zu sichern, einer drohenden Behinderung vorzubeugen oder eine Behinderung auszugleichen ...“ (§33 (1) SGB V).
Beispiele: Pflegebetten, Toilettensitzerhöhungen, Gehstützen, Rollatoren, Betttische, Rollstühle, elektrische Treppensteigehilfen, Badewannenlifter, Duschhocker, Weichlagerungsmatratzen ... In der Broschüre der gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV, 2018): Zu Hause pflegen - So kann es gelingen werden auf den Seiten 22-26 einige Hilfsmittel vorgestellt.
Die Vielfalt ist groß. Groß ist auch die Vielfalt der bürokratischen Hürden, die von einzelnen Kassen und Sachbearbeitenden aufgebaut werden, bevor die Kosten übernommen werden.
In der Regel werden Hilfsmittel von Sanitätshäusern geliefert. Nutzen Sie deren Beratungsangebote!
Es gibt auch zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel. Dafür erstattet die Pflegekasse bis zu 40€ pro Monat.
Wieder etwas anderes sind Wohnumfeld verbessernden Maßnahmen (Umbauten), wie zum Beipiel Handgriffe am Bett oder im Bad. Auch ein Treppenlift der mehr als 10000€ kosten kann, gehört in diese Gruppen (Müller, 2018). (... mehr zu Umbaumaßnahmen)

Ein Teil des Gutachtens zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit gemäß SGB XI sind Vorschläge zur Förderung der Selbstständigkeit der Pflegebedürftigen. Seit 2017 urteilen Pflegefachkräfte im Rahmen der Begutachtung darüber, welche Hilfsmittel nötig sind. Dies macht eine ärztliche Entscheidung unnötig (§18 (6a) SGB XI). Das lässt Pflegeprofis aufhorchen: Seit vielen Jahren achten ärztliche Lobbyisten sehr darauf, die Verordnungshoheit ihres Berufsstands in keiner Weise zu schwächen (Zum Beispiel im Zusammenhang mit den Medikationsplänen; KBV, 2016). Allerdings ist es sinnvoll, dass examinierte Pflegekräfte einschätzen, ob Toilettenstühle, Dekubituskissen oder Patientenlifter nötig sind.

Im Mai 2018 sagt Gertrud Demmler, Vorständin der Siemens-Betriebskrankenkasse (SBK): „Leider herrscht in Punkto Qualität [von Hilfsmitteln] immer noch keine Transparenz für die Versicherten. Dabei gibt es gerade im Hilfsmittelbereich große Unterschiede zwischen den Kassen ... Die zeitnahe Versorgung mit hochwertigen Inkontinenz- oder Stoma-Artikeln kann für Betroffene einen massiven Beitrag zur Lebensqualität bedeuten. Trotzdem ist die Leistungsbereitschaft von Kassen eine Black Box. Das sollten wir ändern.“ (SBK, 2018) Die SBK legt Zahlen vor, um Versicherten einen Vergleich der Leistungen von gesetzlichen Krankenkassen zu erleichtern.
Im Mai 2018 berichtet der SWR über Schwierigkeiten bei der Versorgung mit Hilfsmitteln durch die gesetzlichen Krankenkassen. Die Redaktion empfiehlt, viel Aufwand damit zu treiben, eine Verordnung vorzubereiten. Das ist ein für Laien kaum zu bewältigender Hürdenlauf. Oft kann die Lieferfirma helfen. Auch beim örtlichen Pflegestützpunkt sollte man weiter helfen können. Grundsätzlich haben Sie auch Anspruch auf Beratung durch die Krankenkasse. Und weil das alles oft nicht hilft, gibt's vom Bundesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen (bvkm) eine Infoseite zu Inkontinenzhilfen, mit Formulierungsvorschlägen für Sonderanträge und Widersprüche.

Beispiel
In vielen Häusern und Wohnungen müssen Umbaumassnahmen die Voraussetzungen schaffen, damit Menschen die Wohnung überhaupt verlassen können. Und dann?
Das Angebot an Mobilitätshilfen wird von Jahr zu Jahr umfangreicher. 2019 habe ich in der Fußgängerzone in Essen (also in der Wirklichkeit, nicht nur im Werbefilm) erstmals eMobile gesehen, die auf geringes Gewicht optimiert sind. Wer mit wenig Stoßdämpfung klar kommt und viel Sitzstabilität mitbringt, könnte an einem Moving Star Interesse haben. Es gibt bestimmt andere Anbieter mit ähnlichen Gefährten. (Wie viel vom Kaufpreis Ihre Krankenkasse übernähme, ist eine Einzelfallentscheidung. Das müsste vor dem Kauf geklärt werden.)
Dies ist ein weiteres Beispiel, um die Bedeutung von Pflegeberatung zu unterstreichen. Es ist wirklich schwierig bei den vielen Neuerungen der Hilfsmittelangebote den Überblick zu behalten. Lassen Sie sich von Profis helfen.

Geldwerter Tipp:
Hilfsmittel wie Wechseldruckmatratze oder Sauerstoffkonzentrator brauchen Strom. Das ist in einer Stunde nicht viel ... in den vielen Stunden eines Jahres macht sich das aber auf der Stormrechnung bemerkbar. Auch Treppenlifte und die Akkus von Elektromobilen oder Elektrorollstühlen ziehen viel Strom, wenn sie häufig benutzt werden. Otto Beier erklärt auf www.pflege-durch-angehoerige.de, dass die gesetzlichen Kassen grundsätzlich verpflichtet sind die Stromkosten für verordnete Hilfsmittel zu übernehmen.


Offizielles Internetportal Hilfsmittelverzeichnis der Krankenkassen
Quellen:
– KBV, 2016
– Müller, Benedikt (2018) auf www.sueddeutsche.de
– SBK, 2018
– SWR, Sendung vom 22. Mai 2018
[ausführliche Quellenangaben]

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Letzte Aktualisierung: 11.06.2019