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Zur Vorlesefunktion

Pflegegrad 2
erhebliche Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit

Bei Pflegegrad 2 liegen „erhebliche Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten“ vor (§15 SGB XI). Menschen, die wegen einer Demenz Hilfen bei der Körperpflege brauchen, erreichen fast immer mindestens Pflegegrad 2.

Ein Pflegegrad muss von den Versicherten beantragt werden. Dazu genügt ein formloses Schreiben an die Pflegekasse, die über die Krankenkasse zu erreichen ist.
Mehr zum Antrag auf einen Pflegegrad... (Hier finden Sie auch einen Muster Brief.)

Im Auftrag der Pflegekassen schickt (meist) der MDK Gutachtende zu den Antragstellenden. Sie sollen beurteilen, wie weit die Selbstständigkeit erhalten ist. Dazu werden die Verrichtungen des Alltags in acht Module und 65 Merkmale eingeteilt. Für Pflegegrad 2 werden bei der Begutachtung 27 bis unter 47,5 Gesamtpunkte erreicht. Wieviel Stunden für die Pflege aufgewandt werden müssen, also der Zeitaufwand der bei den Pflegestufen so wichtig war, hat keine Bedeutung mehr.

In Altenheimen hängt die Zahl der Pflegekräfte von den Pflegegraden der Bewohner*innen ab. Deshalb ist es sehr schwierig mit Pflegegrad 1 oder Pflegegrad 2 einen Heimplatz zu finden.
Ab 2017 finanzieren die Pflegekassen (zum Beispiel AOK) für Pflegebedürftige, denen mindestens der Pflegegrad 2 zugestanden wird, regelmäßige Leistungen. Die wichtigsten sind:

Für alle gesetzlichen Pflegekassen, egal ob Knappschaft, Techniker, Barmer oder BKK, gelten hier die selben Vorschriften. Die privaten Pflegeversicherungen müssen sich auch an diese Regeln halten. (Private Pflegezusatzversicherungen sind etwas völlig anderes.)
Vollständige Liste der Leistungen.

Aktuelle Überlegungen zur Zukunft der Pflegeversicherung ...

Punkt Geldzahlungen bei Pflegegrad 2

Seit 2017 gilt: Bei Pflegegrad 2 gibt es als Geldleistung vor allem 316€ Pflegegeld oder 689€ Sachleistung pro Monat. Wird der Anspruch auf Sachleistung nicht vollständig ausgeschöpft, kann das Pflegegeld anteilig ausgezahlt werden (=Kombinationsleistung). Der monatliche Entlastungsbetrag (125€) ist in erster Linie für „Hauswirtschaft und Betreuung“ gedacht. Auch dieser Betrag kann, so wie die Sachleistungen, nur mit einer anerkannten Einrichtung abgerechnet werden. Wieviele Stunden einer Hilfskraft damit finanziert werden können, hängt vom Anbieter ab. Es ist möglich nicht beanspruchte Entlastungsbeträge bis zum Juni des Folgejahres zu verbrauchen (DAlzG, 2018a)(siehe Öchsner, 2017).
In vielen Gemeinden gibt es Projekte, die Alltagshilfen anbieten. Langzeitarbeitslose bekommen „1–Euro–Jobs“ und Senior*innen können länger selbständig in ihrer Wohnung leben (Rheinische Post). Im Main-Tauber Kreis schließen sich Landfrauen zusammen, um auch in diesem Bereich arbeiten zu können (Mannheimer Morgen). Ob es in Ihrer Nähe passende Angebote gibt? Ein Anruf im Pflegestützpunkt sollte genügen. Im Dezember 2018 wird im Sonntagsblatt wieder betont, dass nur wenige Versicherte den Entlastungsbetrag (125€/Monat) nutzen. In NRW gibt es seit 2019 die Möglichkeit auch Hilfen von einzelnen Personen mit MiniJob-Verhältnis oder im Rahmen von „Nachbarschaftshilfe“ mit den Pflegekassen abzurechnen (Novitas, 2019a; Rechtsgrundlage: §§ 10 und 11 AnFöVO (NRW)).
Es können Ausgaben für Pflegehilfsmittel bis zu 40€ pro Monat erstattet werden. (Ihr Sanitätshaus berät Sie sicher gern!)
Ein Jahr nachdem Erwin Rüddel (MdB, CDU) am 3.2.2018 „konsequentes Handeln“ der Politik ankündigte, können überall in Deutschland Pflegebedürftige zu Hause nicht versorgt werden: „Alle ambulanten Pflegedienste berichten mir von Aufnahmestopps. Ohne Ausnahme. Egal ob in West-, Ost-, Nord- oder Süddeutschland, egal ob privat oder Wohlfahrt. Es gibt sogar einige, die Verträge kündigen, weil sie eine verlässliche ambulante Versorgung nicht mehr gewährleisten können.“ (Prof. Andreas Büscher, 2019) Das bestätigt sich im April 2019: Über Wermelskirchen, Düsseldorf, Hildesheim und Mönchengladbach ist zu lesen, dass gemeinnützige Träger ihre Angebote für ambulante Pflege massiv einschränken ... mehr lesen.
Ein Altenheim bekommt als Zuschuss zu den Heimkosten 770€ von der Pflegekasse. Im April 2018 werden als pflegebedingter Eigenanteil im Durchschnitt gut 600 € pro Monat fällig. Das reicht von 237 € in Thüringen bis 872 € in Berlin (Süddeutsche, 2018b). Die Eigenanteile der Pflegebedürftigen für die Versorgung im Altenheim steigen stetig. Im Januar 2019 berichtet der MDR über höhere Altenheim Rechnungen in Sachsen. In Einzelfällen werden 450€ pro Monat mehr verlangt. Das können viele Pflegebedürftige nicht finanzieren.
Im August 2019 hat die Bundesregierung beschlossen, ein Gesetz auf den Weg zu bringen, dass in dieser Situation nur noch Kinder mit mehr als 100000€ Jahreseinkommen zur Kasse bittet. Wie so vieles in der Sozialpolitik, hat auch dieser Gesetzesentwurf viele Haken und Ösen. [... mehr lesen]
Daniel Drepper von www.correctiv.org hat 2016 einen allgemeinen Artikel zu den Kosten eines Altenheims veröffentlicht.
Es gibt viele weitere Leistungen der Pflegeversicherung, wenn Pflegegrad 2 bewilligt wurde. Zur vollständigen Liste.
Es gibt viele weitere staatliche Leistungen bei Pflegebedürftigkeit:
Zum Beispiel: In Bayern soll 2018 begonnen werden ab Pflegegrad 2 ein bayerisches Pflegegeld von 1000€ pro Jahr zu zahlen. Informationen des VdK zu Steuererleichterungen (2019a).
Nutzen Sie die Beratungsangebote der Pflegestützpunkte! [Zeitungsartikel über die Arbeit im Pflegestützpunkt in Alzey (2016)] Viele Pflegekassen machen zusätzliche Angebot zur individuellen Beratung: Broschüre über die Angebote der AOK Pflegeberater pdf Logo (2015).

Wer Unterstützung bei pflegerischen Verrichtungen braucht, benötigt oft vielerlei Leistungen der Krankenkassen. Die Zuzahlungen, die den Pflegebedürftigen abverlangt werden, sind nicht ohne. So wurde eine Belastungsgrenze fest gelegt. Sie „liegt bei 2% der Bruttoeinkünfte zum Lebensunterhalt aller im Haushalt lebenden Personen pro Kalenderjahr. Bei chronisch Kranken liegt die Grenze bei 1%.“ (VZ) Rufen Sie bei Ihrer Krankenkasse an und lassen Sie sich beraten!
Infos der Verbraucherzentrale (VZ).
Viele Medikamente sind von der Zuzahlung befreit. Die Krankenversicherungen stellen dazu jeweils aktuelle Listen bereit:
Themenseite: Befreiungsliste Arzneimittel auf www.gkv-spitzenverband.de.

Punkt Umbaumaßnahmen

Auch bei Pflegegrad 2 besteht Anspruch auf finanzielle Unterstützung bei Umbaumaßnahmen. Das ist im § 40 (4) SGB XI geregelt. Wichtig: Grundsätzlich muss der Antrag von der Pflegekasse genehmigt werden, bevor die Maßnahme durchgeführt wird.
Es wird von „Wohnumfeld verbessernden Maßnahmen“ geschrieben. Dabei geht es in der Regel um fest eingebaute Gerätschaften. Zum Beispiel: ein zweiter Handlauf im Treppenhaus oder der Einbau einer höheren Toilette.

Wenn Sie sich den organisatorischen Aufwand eines Umzugs vor Augen führen, wird sofort klar, dass die Formulierung „Wohnumfeld verbessernde Maßnahmen“ weite Entscheidungsspielräume bei den Pflegekassen erlaubt.
Jede einzelne Maßnahme kann mit max. 4000€ bezuschusst werden... also max. 4000€ für eine Rampe vom Hochpaterre zum Straßenniveau. Die nächsten max. 4000€ für die Verbreiterung der Tür ins Bad. Die nächsten max. 4000€ für's Entfernen der Badawanne und den Einbau einer behindertengerechten Dusche oder den Einbau eines Treppenlifters ... Derlei ist denkbar.
Ein elektrisch höhenverstellbares Krankenbett wird gesetzlich nicht zu den Umbaumaßnahmen gerechnet, sondern ist ein Hilfsmittel. Hilfsmittel können ärztlich verordnet und von der Kranken- bzw. Pflegekasse bezahlt werden.
Neben den Pflegekassen gibt es auch andere finanzielle Hilfen. Bis zu 1600€ Zuschuss können für Maßnahmen zum Einbruchschutz in Bestandsimmobilien gewährt werden. Bis zu 50000€ Kredit ab 0,75% Zinsen könnte es für Umbauten geben, die Barrieren mindern. (Stand August 2018) Dieses Geld von der Bundesregierung wird die über die KfW vergeben. Auch von den Bundesländern, zum Beispiel Niedersachsen und Brandenburg, gibt es Fördermittel für seniorengerechte Umbauten (Handelsblatt, 2018b). Die Pflegestützpunkte sollten auch zu solchen Förderprogrammen beraten können. An manchen Orten gibt es spezialisierte Angebote zur Wohnberatung (Süddeutsche, 2017).
Mehr zu Umbaumaßnahmen.

Viele Menschen mit Pflegegrad 2 nutzen Rollatoren. Wenn einige Regeln beachtet werden, wird diese Gehhilfe schnell zum unverichtbaren Begleiter im Alltag. Wir haben zwei interessante Videos zum Alltag mit diesen Gehhilfen gefunden:
Tipps zum Umgang mit dem Rolator video button; der VdK zeigt einen elektroantrieb für den Rollator (Prototyp) video button
Menschen, mit Pflegegrad 1 oder Pflegegrad 2 können sich oft mit einem elektrischen Rollstuhl oder eScooter auch ohne persönliche Hilfe außerhalb der Wohnung bewegen. Der VdK gibt in einem Video Tipps für eMobile in Bussen (2018). Nötige Hilfen bei Aktivitäten außerhalb der Wohnung gehen „nicht in die Ermittlung eines Pflegegrades ein“. (BRi, Abschnitt 4.11.1)

Punkt Beratung

Benötigen Sie Hilfe bei Alltags–Tätigkeiten, die „normale Menschen“ ganz selbstverständlich erledigen können? Falls Sie auf der Suche nach einem Altenheim sind, können Ihnen die Pflegenoten nur einen oberflächlichen Eindruck geben. Da kann Ihnen wahrscheinlich in einem Pflegestützpunkt geholfen werden.

Wer Leistungen zum Pflegegrad 2 bekommt, muss zwei mal im Jahr Pflegeberatung in der eigenen Wohnung in Anspruch nehmen (§ 37 (3) SGB XI). Meistens werden solche Beratungen von ambulanten Pflegediensten durchgeführt. Häufige Themen sind Hilfsmittel wie Badelifter oder Transferhilfen. Oft geht es auch um rückenschonende Hebetechniken oder Möglichkeiten der Schmerztherapie. (Haben Sie Fragen zu „Mophium“? Oft ist ein persönliches Gespräch mit einer Pflegefachperson hilfreicher, als Infoblätter wie dieses.) Für Menschen die Urin/Stuhlgang nicht kontrollieren können, stehen auch erhelblich mehr Hilfsmittel zur Verfügung, als nur die bekannten Einlagen. Zum Beispiel: Für Männer gibt es Condomurinale, die selbstständig angelegt werden können. Pflegebedürftige, wie Angehörige nutzen diese Termine viel zu selten als Chance, um Fragen aus dem Pflegealltag zu klären (MAZ, 2018). Zum Beispiel: Wer bei jedem Gang durch die Wohnung sturzgefährdet ist, könnte jedes mal von einer Pflegeperson begleitet werden. Vielleicht reicht es aber aus einen Rollator zu nutzen, um der Sturzgefahr zu begegnen. Allgemeines zu Rollatoren finden Sie in der Zeitschrift test Ausgabe März 2019. Die meisten öffentlichen Bibliotheken haben test abonniert. Vielleicht sind auch eMobil oder Rollstuhl passende Hilfsmittel. Dann muss eine Pflegeperson oft noch nicht einmal beim Umsetzten zwischen Sofa und Gefährt unterstützen. Scooter oder eMobile können in Wohneinrichtungen zu Problemen mit der Hauswirtschaft und/oder Mitbewohner*innen führen. (rhw, 2018) Ein Beispiel für die Zukunft: 2018 sind elektrische Antriebe für Fahrräder massentauglich. Jetzt macht sich ein Startup auf, um Rollatoren mit Hilfsmotor unter die Leute zu bringen.
[Mehr zur Pflegeberatung ...]

Punkt Pflegende Angehörige

Wer einen pflegebedürftigen Familienangehörigen versorgt, erbringt täglich Höchstleistungen! Nicht selten führt das zu körperlicher und psychischer Überlastung. Das Gefühl ständig in Bereitschaft sein zu müssen und immer weniger soziale Kontakte außerhalb der Pflegeverantwortung zu haben, geht an die Substanz. Eigentlich täglich irgend etwas für die Pflegebedürftigen tun zu müssen, lässt kaum Zeit und Energie für eigene Interessen. Die gesellschaftliche Bedeutung der familialen Pflege macht eine Zahl aus England deutlich: über 10% der Gesamtbevölkerung leisten regelmäßig pflegerische Hilfen für Verwandte oder Bekannte (Marsh, 2018). Hier ein Auszug aus dem Tagebuch einer pflegenden Angehörigen (Romana, 2016).
Fallen die pflegenden Angehörigen aus, können Leistungen zur Kurzzeitpflege oder Verhinderungspflege in Anspruch genommen werden. So werden Angehörige unterstützt, wenn Sie Zum Beispiel Urlaub von der Pflege machen möchten (MoMa, 2018).
Im Auftrag des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) werden Beschäftigte regelmäßig zur Qualität der Arbeit befragt. 2017 ging es auch um die Vereinbarkeit von Pflegeverantwortung und Erwerbsarbeit. „Dabei kam heraus, dass jeder elfte Beschäftigte neben seiner beruflichen Tätigkeit eine oder sogar mehrere Personen zu Hause pflegt, was zu Problemen führt. Teilzeit würde zwar helfen, doch dann entstehen finanzielle Lücken. Überwiegend Frauen und ältere Beschäftigte übernehmen die Pflegeverantwortung in der Familie. Im Durchschnitt kostet sie das 13,3 Stunden pro Woche.“ (VerDi, 2018) Diese Zahlen unterstreichen die gesellschaftliche Bedeutung der Leistungen pflegender Angehöriger.
Über ein Rahabilitationsangebot: Auszeit für pflegende Angehörige. Eine Internetsuche nach Pflegehotel bringt zig Treffer ... die Qualität der Angebote schwankt aber sehr.
Direkte Geldleistungen für pflegende Angehörige gibt es nicht. Es sind grundsätzlich die Pflegebedürftigen, die Anträge stellen und Leistungen bekommen.
Die pflegenden Angehörigen genießen weitgehenden Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Von dort gibt es einen Tipp gegen Überforderung: „Nutzen Sie frühzeitig die Beratungsangeote der Pflegestützpunkte, der Pflegekassen, der Wohlfahrtverbände ... um sich ausführlich über Unterstützungs- und Finanzierungsmöglichkeiten zu informieren.“ (DGUV, 2018, Seite 8)
Mehr über Pflegende Angehörige

Sozialversicherung der Pflegepersonen
Wenn mindestens Pflegegrad 2 zugestanden wurde, können pflegende Angehörige in der gesetzlichen Unfall– und Rentenversicherung abgesichert werden.

Auch „nicht gewerblich Pflegende“ (in der Regel Familienmitglieder oder Nachbarn) könnten, während sie den Pflegebedürftigen helfen, einen Unfall erleiden. Beispiele: Ein Sturz von der Leiter beim Aufhängen von Gardinen, ein Knöchelbruch beim Umgang mit dem Treppenlifter oder ein Bandscheibenvorfall im Zusammenhang mit dem Verlassen der Badewanne.
[Details zur Unfallversicherung der Pflegepersonen]

Aus den Mitteln der Pflegeversicherung können auch Beiträge zur gesetzlichen Arbeitslosen- und zur Rentenversicherung der Pflegepersonen gezahlt werden. Die entstehenden Rentenansprüche sind nicht überwältigend, aber immerhin.
[Details zur Rentenversicherung der Pflegepersonen]
Aus der Beratung: ⁇ Mir wurde Pflegegrad 2 bewilligt. Wird das Pflegegeld auf die Hartz IV (ALG II) Leistungen angerechnet?
‼ Dazu steht was in § 13 (5) SGB XI: »Die Leistungen der Pflegeversicherung bleiben als Einkommen bei Sozialleistungen und bei Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, deren Gewährung von anderen Einkommen abhängig ist, unberücksichtigt ...« Das sollte Ihre Frage beantworten.
Es ergibt sich aber sofort das nächste Problem: Wenn Sie einen Teil des Pflegegeldes an eine Pflegeperson geben, die Arbeitslosengeld II bekommt, wird es dann angerechnet? Der Gesetzgeber lässt so wenig Pflegegeld zahlen, dass es in keinem wirtschaftlichen Verhältnis zum festgestellten Pflegeaufwand steht. Der Gesetzgeber hat in jeder Reform der Pflegeversicherung betont, wie wichtig die Angehörigenpflege ist. Politisch wäre es widersinnig solche Zahlungen bei Sozialhilfe oder ALG II anzurechnen. Das wird in einzelnen Abteilungen jedoch anders gesehen. Lassen Sie sich vor Ort beraten!

Allgemein zum Pflegegeld:
„Da die tatsächlichen Kosten für die Pflege das gebührende Pflegegeld in den meisten Fällen übersteigen, kann das Pflegegeld nur als pauschalierter Beitrag zu den Kosten der erforderlichen Pflege verstanden werden.“ Dieser Satz stammt von www.gesundheit.gv.at und zeigt, dass sich nicht nur der Gesetzgeber in Deutschland mit der Unterstützung der informellen Pflege schwer tut.

Pflegezeit für Angehörige

Wenn jemand neu akut pflegebedürftig wird, können nahe Angehörige Anspruch auf Arbeitsbefreiung bis zu 10 Tagen haben (§ 2 PflegeZG und § 44a SGB XI Absatz 3). Als Pflegezeit wird auch die geplante auch teilzeitliche Befreiung von der Arbeit bis zu 24 Monaten (§ 3 PflegeZGund § 4 PflegeZG). Für die Begleitung Angehöriger in der letzten Lebensphase zu Hause oder in einem Hospiz haben Angehörige einen Rechtsanspruch darauf, drei Monate lang weniger zu arbeiten oder auch ganz auszusetzen (§ 3 (6) PflegeZG). Manche dieser Regelungen gelten nur für Betriebe mit mehr als 15 oder mehr als 25 Angestellten.
Die verschiedenen Formen der Pflegezeit werden kaum genutzt (Sell, 2019c).
[Mehr über die Pflegezeit ...]

Punkt Widerspruch

Gelegentlich sorgt der Bescheid der Pflegekasse für Stirnrunzeln. Der Pflegegrad ist unerwartet niedrig. Als erstes sollten Sie das Gutachten des MDK gründlich lesen. Darin wird im Detail erläutert, wie die Empfehlung für den Pflegegrad zustande kam. Meistens finden Sie hier überzeugende Gründe. Aus den Beratungen des SoVD (2019a) kommt der Hinweis: Ein Widerspruch sei in erster Linie mit Argumenten zu begründen, die sich auf das Modul „Selbstversorgung“ beziehen.
Sie können gegen die Entscheidung der Pflegekasse Widerspruch einlegen. Es gibt keine Richtlinienen zur Bearbeitungszeit von Widersprüchen.
Zu Fragen im Zusammenhang mit einem Widerspruch können wir Sie individuell beraten.

Überleitung

Wer im Dezember 2016 schon eine Pflegestufe hatte, wurde zum Januar 2017 automatisch auf Pflegegrade umgestellt. Aus Pflegestufe 1 wurde Pflegegrad 2.
Wer im Dezember 2016 zwar keine Pflegestufe, aber die „eingeschränkte Alltagskompetenz“ (Pflegestufe 0) bescheinigt hat, wird zum Januar 2017 automatisch auf Pflegegrad 2 umgestellt.
Details zur Überleitung.
Die Bundesregierung will die Umsetzung der Pflegereformen (PSG II und PSG III) systematisch wissenschaftlich begleiten lassen. „Die Evaluation solle Erkenntnisse zu der Frage liefern, inwieweit die beabsichtigten Wirkungen vor allem des zweiten und dritten Pflegestärkungsgesetzes eingetreten seien. Überprüft würden dabei alle beteiligten Akteure, um eventuelle Optimierungs- und Anpassungsmöglichkeiten auszuloten.“ (Millich, 2017)
Die Vergabe von Pflegegraden für Kinder folgt einer eigenen Logik und ist von vielen Einzelfallentscheidungen bestimmt. Dazu können wir sie leider nicht beraten. Grundsätze können Sie in den Begutachtungsrichtlinien nachlesen.

Geldwerter Tipp:
Hilfsmittel wie Wechseldruckmatratze oder Sauerstoffkonzentrator brauchen Strom. Das ist in einer Stunde nicht viel ... in den 8670 Stunden eines Jahres macht sich das aber auf der Stormrechnung bemerkbar. Auch Treppenlifte und die Akkus von Elektromobilen oder Elektrorollstühlen ziehen viel Strom, wenn sie häufig benutzt werden. Otto Beier erklärt auf www.pflege-durch-angehoerige.de, dass die gesetzlichen Kassen grundsätzlich verpflichtet sind die Stromkosten für verordnete Hilfsmittel zu übernehmen. Das ist leider mit einigen bürokratischen Hürden verbunden.

2018 hat die schwarz-rote Bundesregierung mit vielen Reformversprechen zur pflegerischen Versorgung ihre Arbeit aufgenommen. Das meiste wurde unter der Überschrift: Konzertierte Aktion Pflege zusammen gefasst. Im Juni 2019, die halbe Wahlperiode ist rum, bestätigt Andreas Westerfellhaus: die Finanzierung zentraler Reformideen ist ungeklärt. Bisher gibt's vor allem Absichtserklärungen. Wenig ist bei den Pflegebedürftigen angekommen. (Altenheim TV Spezial, 2019a)

Was würde es für Pflegebedürftige bedeuten, wenn sie keine pflegerischen Hilfen bekämen? 2019 haben dazu Auszubildende in Ulm diskutiert und eine Aktion für die Fußgängerzone entwickelt: Ein Tag ohne Pflegekräfte (Video, ~2min), Bericht auf www.regio-tv.de.

Warum wir diese Internetseiten anbieten und wer wir sind.

Pflegegrad 1
Pflegegrad 3
Pflegegrad 4
Pflegegrad 5
Allgemeine Informationen zu den Pflegegraden.

Quellen:
– Allgemeine Zeitung, 2016
– Altenheim TV Spezial(2019a): Konzertierte Aktion Pflege: zwischen Hoffnung und Wirklichkeit. Dieser Videobericht (19:50 min) vom 6. August 2019 macht eine Bestandsaufnahme zu zentralen Reformvorhaben der Bundesregierung
– AOK, 2015: In besten Händen. Wie die AOK-Pflegeberatung Angehörigen hilft pdf Logo, September 2015
– BRi, 2017
– Büscher, Andreas, Pressemeldung der HS Osnabrück, 2019
– Deutsche Alzheimer Gesellschaft (DAlzG), 2018a
– Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), 2018
– Drepper, Daniel, Correctiv (2016)
– Handelsblatt, 2018b
– Mannheimer Morgen, 2018
– Märkische Allgemeine (MAZ) 2018
– Marsh, Sarah (2018)
– MDR, 2019a
– Millich, 2017
– MoMa (Morgenmagazin), 2018
– Öchsner, Thomas: Geld für die Einkaufshilfe. Der Journalist beschreibt aus Laiensicht, wie Angehörige durch Leistungen der Pflegeversicherung entlastet werden können (www.sueddeutsche.de, 4. Dezember 2017)
– RegioTV, 2019
– Rheinische Post, 2018a
– rhw Management (Fachzeitschrift für die Hauswirtschaft), 2018
– Romana, Tagebuchschreiberin und pflegende Angehörige (2016)
– Süddeutsche Zeitung, 2017
– Sonntagsblatt, 2018
– Sozialverband Deutschland (SoVD) 2019a, Artikel auf www.sovd-sh.de von Christian Schultz
– Sell, Stefan (2019c): Von 2015 bis Mitte 2019 haben in ganz Deutschland 921 Darlehen im Rahmen der (bis zu) 24 Monate Pflegezeit in Anspruch genommen.
– Süddeutsche, 2018b
– test (Zeitschrift) die Ausgabe März 2019 bringt auch Artikel zu den Themen: Saugroboter, Vorsorgevollmacht, Vitaminpräperate, Rollatoren
– VdK, 2019a
– WAZ, Westdeutsche Allgemeine Zeitung (2019)
– WDR aktuell vom 27. Dezember (2018b)
[ausführliche Quellenangaben]

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Letzte Aktualisierung: 26.09.2019