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Pflegegrad 2
erhebliche Beein­trächti­gungen der Selbst­ständigkeit

Bei Pflegegrad 2 liegen „erhebliche Beein­trächti­gungen der Selbst­ständigkeit oder der Fähigkeiten“ vor (Definition aus §15 SGB XI). Das könnte zutreffen, wenn jemand mehrmals wöchentlich Hilfe beim Duschen benötigt und zwar den Oberkörper kleiden kann, aber eine Pflege­person Hosen, Stümpfe und Schuhe über die Füße ziehen muss.
Bei der Begutachtung werden 27 bis unter 47,5 Gesamtpunkte erreicht.

Der Fernseh­sender arte hat im September 2017 grund­sätzliche Über­legungen zur Kosten­kalkulation in eine zwei minütige Animation verpackt:
Welche Pflege-Optionen können wir uns bei Pflegegrad 2 leisten?

Ein Pflegegrad muss von den Versicherten beantragt werden. Dazu genügt ein formloses Schreiben an die Pflegekasse, die über die Kranken­kasse zu erreichen ist.
Mehr zum Antrag auf einen Pflegegrad... (Hier finden Sie auch einen Muster Brief.)
Im Auftrag der Pflege­kassen schickt (meist) der MDK Gutachtende zu den Antrag­stellenden. Sie sollen beurteilen, wie weit die Selbst­ständig­keit erhalten ist. Dazu werden die Verricht­ungen des Alltags in acht Module und 65 Merkmale eingeteilt. Sie sehen: wieviel Stunden für die Pflege aufgewandt werden müssen, also der Zeitaufwand der bei den Pflege­stufen so wichtig war, hat keine Bedeutung mehr.

In Alten­heimen hängt die Zahl der Pflegekräfte von den Pflege­graden der Bewohner­*innen ab. Deshalb ist es sehr schwierig mit Pflegegrad 1 oder Pflegegrad 2 einen Heimplatz zu finden.
Ab 2017 finanzieren die Pflege­kassen (zum Beispiel AOK) für Pflege­bedürftige, denen mindestens der Pflegegrad 2 zugestanden wird, regelmäßige Leistungen. Die wichtigsten sind:

Aktuelle Überlegungen zur Zukunft der Pflegeversicherung ...

Geldzahlungen bei Pflegegrad 2

Seit 2017 gilt: Bei Pflegegrad 2 gibt es als Geldleistung vor allem 316 € Pflegegeld oder 689 € Sachleistung pro Monat. Wird der Anspruch auf Sach­leistung nicht vollständig ausgeschöpft, kann das Pflegegeld anteilig ausgezahlt werden (=Kombinations­leistung). Der monatliche Entlastungs­betrag (125 €) ist in erster Linie für „Hauswirtschaft und Betreuung“ gedacht. Auch dieser Betrag kann, so wie die Sachleistungen, nur mit einer anerkannten Einrichtung abgerechnet werden. Wieviele Stunden einer Hilfskraft damit finanziert werden können, hängt vom Anbieter ab. In vielen Gemeinden gibt es Projekte, die Alltagshilfen anbieten. Langzeitarbeitslose bekommen „1–Euro–Jobs“ und Senior*innen können länger selbständig in ihrer Wohnung leben (Rheinische Post). Im Main-Tauber Kreis schließen sich Landfrauen zusammen, um auch in diesem Bereich arbeiten zu können (Mannheimer Morgen). Ob es in Ihrer Nähe passende Angebote gibt? Ein Anruf im Pflegestützpunkt sollte genügen.
Es können Ausgaben für Pflegehilfsmittel bis zu 40 € pro Monat erstattet werden. (Ihr Sanitäts­haus berät Sie sicher gern!)
Ein Altenheim bekommt als Zuschuss zu den Heimkosten 770 € von der Pflegekasse. Der Eigenanteil der Pflege­bedürftigen für die stationäre Versorgung ist auf 580 € festgelegt.
Es gibt viele weitere Leistungen der Pflege­versicherung, wenn Pflegegrad 2 bewilligt wurde. Zur vollständigen Liste.
Es gibt viele weitere staatliche Leistungen bei Pflegebedürftigkeit:
Zum Beispiel: In Bayern soll 2018 begonnen werden ab Pflegegrad 2 ein bayerisches Pflegegeld von 1000 € pro Jahr zu zahlen.
Nutzen Sie die Beratungsangebote der Pflegestützpunkte!

Umbaumaßnahmen

Auch bei Pflegegrad 2 besteht Anspruch auf finanzielle Unter­stützung bei Umbau­maßnahmen. Das ist im § 40 (4) SGB XI geregelt. Wichtig: Grundsätzlich muss der Antrag von der Pflegekasse genehmigt werden, bevor die Maßnahme durchgeführt wird.
Es wird von „Wohnumfeld verbessernden Maßnahmen“ geschrieben. Dabei geht es in der Regel um fest eingebaute Gerätschaften. Zum Beispiel: ein zweiter Handlauf im Treppen­haus oder der Einbau einer höheren Toilette.

Wenn Sie sich den organisa­torischen Aufwand eines Umzugs vor Augen führen, wird sofort klar, dass die Formulierung „Wohnumfeld verbessernde Maßnahmen“ weite Entscheidungs­spielräume bei den Pflegekassen erlaubt.
Jede einzelne Maßnahme kann mit max. 4 000 € bezuschusst werden... also max. 4 000 € für eine Rampe vom Hochpaterre zum Straßenniveau. Die nächsten max. 4 000 € für die Verbreiterung der Tür ins Bad. Die nächsten max. 4 000 € für's Entfernen der Badawanne und den Einbau einer behinderten­gerechten Dusche oder den Einbau eines Treppen­lifters ... Derlei ist denkbar.
Ein elektrisch höhen­verstellbares Krankenbett wird gesetzlich nicht zu den Umbau­maßnahmen gerechnet, sondern ist ein Hilfsmittel. Hilfsmittel können ärztlich verordnet und von der Kranken- bzw. Pflegekasse bezahlt werden.
Mehr zu Umbaumaßnahmen.

Beratung

Benötigen Sie Hilfe bei Alltags–Tätigkeiten, die „normale Menschen“ ganz selbstverständlich erledigen können? Da kann Ihnen wahrscheinlich in einem Pflegestützpunkt geholfen werden. Falls Sie auf der Suche nach einem Altenheim sind, können Ihnen die Pflegenoten nur einen oberflächlichen Eindruck geben.

Wer Leistungen zum Pflegegrad 2 bekommt, muss zwei mal im Jahr Pflegeberatung in der eigenen Wohnung in Anspruch nehmen (§ 37 (3) SGB XI). Meistens werden solche Beratungen von ambulanten Pflege­diensten durchgeführt. Häufige Themen sind Hilfsmittel wie Badelifter oder Transferhilfen. Oft geht es auch um rücken­schonende Hebe­techniken oder Möglich­keiten der Schmerz­therapie.
[Mehr zur Pflegeberatung ...]

Pflegende Angehörige

Wer einen pflegebedürftigen Familienangehörigen versorgt, erbringt täglich Höchstleistungen! Nicht selten führt das zu körperlicher und psychischer Überlastung. Das Gefühl ständig in Bereitschaft sein zu müssen und immer weniger soziale Kontakte außerhalb der Pflegeverantwortung zu haben, geht an die Substanz. Eigentlich täglich irgend etwas für die Pflegebedürftigen tun zu müssen, lässt kaum Zeit und Energie für eigene Interessen. Im Auftrag des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) werden Beschäftigte regelmäßig zur Qualität der Arbeit befragt. 2017 ging es auch um die Vereinbarkeit von Pflegeverantwortung und Erwerbsarbeit. „Dabei kam heraus, dass jeder elfte Beschäftigte neben seiner beruflichen Tätigkeit eine oder sogar mehrere Personen zu Hause pflegt, was zu Problemen führt. Teilzeit würde zwar helfen, doch dann entstehen finanzielle Lücken. Überwiegend Frauen und ältere Beschäftigte übernehmen die Pflegeverantwortung in der Familie. Im Durchschnitt kostet sie das 13,3 Stunden pro Woche.“ (VerDi, 2018) Diese Zahlen unterstreichen die gesellschaftliche Bedeutung der Leistungen pflegender Angehöriger.
Über ein Rahabilitationsangebot: Auszeit für pflegende Angehörige. Mehr über Pflegende Angehörige

Sozialversicherung der Pflegepersonen
Wenn mindestens Pflegegrad 2 zugestanden wurde, können pflegende Angehörige in der gesetzlichen Unfall– und Rentenversicherung abgesichert werden.

Auch „nicht gewerblich Pflegende“ (in der Regel Familien­mitglieder oder Nachbarn) könnten, während sie den Pflege­bedürftigen helfen, einen Unfall erleiden. Beispiele: Ein Sturz von der Leiter beim Aufhängen von Gardinen, ein Knöchelbruch beim Umgang mit dem Treppenlifter oder ein Bandscheiben­vorfall im Zusammenhang mit dem Verlassen der Badewanne.
[Details zur Unfallversicherung der Pflegepersonen]

Aus den Mitteln der Pflegeversicherung können auch Beiträge zur gesetzlichen Arbeitslosen- und zur Renten­versicherung der Pflege­personen gezahlt werden. Die entstehenden Renten­ansprüche sind nicht überwältigend, aber immerhin.
[Details zur Renten­versicherung der Pflegepersonen]
Aus der Beratung: ⁇ Mir wurde Pflegegrad 2 bewilligt. Wird das Pflegegeld auf die Hartz IV (ALG II) Leistungen angerechnet?
‼ Dazu steht was in § 13 (5) SGB XI: »Die Leistungen der Pflegeversicherung bleiben als Einkommen bei Sozialleistungen und bei Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, deren Gewährung von anderen Einkommen abhängig ist, unberücksichtigt ...« Das sollte Ihre Frage beantworten.
Es ergibt sich aber sofort das nächste Problem: Wenn Sie einen Teil des Pflege­geldes an eine Pflege­person geben, die Arbeits­losen­geld II bekommt, wird es dann angerechnet? Der Gesetzgeber lässt so wenig Pflegegeld zahlen, dass es in keinem wirtschaft­lichen Verhältnis zum fest­gestellten Pflegeaufwand steht. Der Gesetzgeber hat in jeder Reform der Pflege­ver­sicherung betont, wie wichtig die Angehörigen­pflege ist. Politisch wäre es widersinnig solche Zahlungen bei Sozialhilfe oder ALG II anzurechnen. Das wird in einzelnen Abteilungen jedoch anders gesehen. Lassen Sie sich vor Ort beraten!

Pflegezeit für Angehörige

Wenn jemand neu akut pflegebedürftig wird, können nahe Angehörige Anspruch auf Arbeitsbefreiung bis zu 10 Tagen haben (§ 2 PflegeZG und § 44a SGB XI Absatz 3). Als Pflegezeit wird auch die geplante auch teilzeitliche Befreiung von der Arbeit bis zu 24 Monaten (§ 3 PflegeZGund § 4 PflegeZG). Für die Begleitung Angehöriger in der letzten Lebensphase zu Hause oder in einem Hospiz haben Angehörige einen Rechts­anspruch darauf, drei Monate lang weniger zu arbeiten oder auch ganz auszusetzen (§ 3 (6) PflegeZG). Manche dieser Regelungen gelten nur für Betriebe mit mehr als 15 oder mehr als 25 Angestellten.
[Mehr über die Pflegezeit ...]

Widerspruch

Gelegent­lich sorgt der Bescheid der Pflegekasse für Stirn­runzeln. Der Pflegegrad ist unerwartet niedrig. Als erstes sollten Sie das Gutachten des MDK gründlich lesen. Darin wird im Detail erläutert, wie die Empfehlung für den Pflegegrad zustande kam. Meistens finden Sie hier überzeugende Gründe.
Sie können gegen die Entscheidung der Pflegekasse Widerspruch einlegen. Dazu können wir Sie individuell beraten.

Überleitung

Wer im Dezember 2016 schon eine Pflegestufe hatte, wurde zum Januar 2017 automatisch auf Pflegegrade umgestellt. Aus Pflegestufe 1 wurde Pflegegrad 2.
Wer im Dezember 2016 zwar keine Pflegestufe, aber die „eingeschränkte Alltags­kompetenz“ (Pflegestufe 0) bescheinigt hat, wird zum Januar 2017 automatisch auf Pflegegrad 2 umgestellt.
Details zur Überleitung.
Die Bundes­regierung will die Umsetzung der Pflegereformen (PSG II und PSG III) systematisch wissen­schaftlich begleiten lassen. „Die Evaluation solle Erkenntnisse zu der Frage liefern, inwieweit die beab­sichtig­ten Wirkungen vor allem des zweiten und dritten Pflege­stärkungs­gesetzes eingetreten seien. Überprüft würden dabei alle beteiligten Akteure, um eventuelle Optimierungs- und An­passungs­möglichkeiten auszuloten.“ (Millich, 2017)
Die Vergabe von Pflegegraden für Kinder folgt einer eigenen Logik und ist von vielen Einzelfallentscheidungen bestimmt. Dazu können wir sie leider nicht beraten. Grundsätze können Sie in den Begutachtungsrichtlinien nachlesen.

Pflegegrad 1
Pflegegrad 3
Pflegegrad 4
Pflegegrad 5
Allgemeine Informationen zu den Pflegegraden.

Quellen:
– BRi, 2016
– Mannheimer Morgen, 2018
– Millich, 2017
– Rheinische Post, 2018a
[ausführliche Quellenangaben]

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Letzte Aktualisierung: 06.06.2018