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Pflegegrad 2
erhebliche Beein­trächti­gungen der Selbst­ständigkeit

Bei Pflegegrad 2 liegen „erhebliche Beein­trächti­gungen der Selbst­ständigkeit oder der Fähigkeiten“ vor. Das könnte zutreffen, wenn jemand mehrmals wöchentlich Hilfe beim Duschen benötigt und zwar den Oberkörper kleiden kann, aber eine Pflege­person Hosen, Stümpfe und Schuhe über die Füße ziehen muss.
Bei der Begutachtung werden 27 bis unter 47,5 Gesamtpunkte erreicht.

Der Fernseh­sender arte hat im September 2017 grund­sätzliche Über­legungen zur Kosten­kalkulation in eine zwei minütige Animation verpackt:
Welche Pflege-Optionen können wir uns bei Pflegegrad 2 leisten?

Ein Pflegegrad muss von den Versicherten beantragt werden. Dazu genügt ein formloses Schreiben an die Pflegekasse, die über die Kranken­kasse zu erreichen ist.
Mehr zum Antrag auf einen Pflegegrad...

In Alten­heimen hängt die Zahl der Pflegekräfte von den Pflege­graden der Bewohner­*innen ab. Deshalb ist es sehr schwierig mit Pflegegrad 1 oder Pflegegrad 2 einen Heimplatz zu finden.
Ab 2017 gibt es für Pflege­bedürftige, denen mindestens der Pflegegrad 2 zugestanden wird, regelmäßige Leistungen. Die wichtigsten sind:

Geldzahlungen bei Pflegegrad 2

Bei Pflegegrad 2 gibt es als Geldleistung vor allem 316 € Pflegegeld oder 689 € Sachleistung pro Monat. Wird der Anspruch auf Sach­leistung nicht vollständig ausgeschöpft, kann das Pflegegeld anteilig ausgezahlt werden (=Kombinations­leistung). Der monatliche Entlastungs­betrag (125 €) ist in erster Linie für „Hauswirtschaft und Betreuung“ gedacht. Auch dieser Betrag kann, so wie die Sachleistungen, nur mit einer anerkannten Einrichtung abgerechnet werden. In vielen Gemeinden gibt es Projekte, die Alltagshilfen anbieten. Langzeitarbeitslose bekommen „1–Euro–Jobs“ und Senior*innen können länger selbständig in ihrer Wohnung leben (Rheinische Post) Ob es das auch bei Ihnen gibt? Ein Anruf im Pflegestützpunkt sollte genügen.
Es können Ausgaben für Pflegehilfsmittel bis zu 40 € pro Monat erstattet werden. (Ihr Sanitäts­haus berät Sie sicher gern!)
Ein Altenheim bekommt als Zuschuss zu den Heimkosten 770 € von der Pflegekasse. Der Eigenanteil der Pflege­bedürftigen für die stationäre Versorgung ist auf 580 € festgelegt.
Es gibt viele weitere Leistungen der Pflege­versicherung, wenn Pflegegrad 2 bewilligt wurde. Zur vollständigen Liste.

Umbaumaßnahmen

Auch bei Pflegegrad 2 besteht Anspruch auf finanzielle Unter­stützung bei Umbau­maßnahmen. Das ist im § 40 (4) SGB XI geregelt. Wichtig: Grundsätzlich muss der Antrag von der Pflegekasse genehmigt werden, bevor die Maßnahme durchgeführt wird.
Es wird von „Wohnumfeld verbessernden Maßnahmen“ geschrieben. Dabei geht es in der Regel um fest eingebaute Gerätschaften. Zum Beispiel: ein zweiter Handlauf im Treppen­haus oder der Einbau einer höheren Toilette.

Wenn Sie sich den organisa­torischen Aufwand eines Umzugs vor Augen führen, wird sofort klar, dass die Formulierung „Wohnumfeld verbessernde Maßnahmen“ weite Entscheidungs­spielräume bei den Pflegekassen erlaubt.
Jede einzelne Maßnahme kann mit max. 4 000 € bezuschusst werden... also max. 4 000 € für eine Rampe vom Hochpaterre zum Straßenniveau. Die nächsten max. 4 000 € für die Verbreiterung der Tür ins Bad. Die nächsten max. 4 000 € für's Entfernen der Badawanne und den Einbau einer behinderten­gerechten Dusche oder den Einbau eines Treppen­lifters ... Derlei ist denkbar.
Ein elektrisch höhen­verstellbares Krankenbett wird gesetzlich nicht zu den Umbau­maßnahmen gerechnet, sondern ist ein Hilfsmittel. Hilfsmittel können ärztlich verordnet und von der Kranken- bzw. Pflegekasse bezahlt werden.
Mehr zu Umbaumaßnahmen.

Beratung

Wer Leistungen zum Pflegegrad 2 bekommt, muss zwei mal im Jahr Pflegeberatung in der eigenen Wohnung in Anspruch nehmen (§ 37 (3) SGB XI). Meistens werden solche Beratungen von ambulanten Pflege­diensten durchgeführt. Häufige Themen sind Hilfsmittel wie Badelifter oder Transferhilfen. Oft geht es auch um rücken­schonende Hebe­techniken oder Möglich­keiten der Schmerz­therapie.
[Mehr zur Pflegeberatung ...]

Sozialversicherung der Pflegepersonen

Wenn mindestens Pflegegrad 2 zugestanden wurde, können pflegende Angehörige in der gesetzlichen Unfall– und Rentenversicherung abgesichert werden.

Auch „nicht gewerblich Pflegende“ (in der Regel Familien­mitglieder oder Nachbarn) könnten, während sie den Pflege­bedürftigen helfen, einen Unfall erleiden. Beispiele: Ein Sturz von der Leiter beim Aufhängen von Gardinen, ein Knöchelbruch beim Umgang mit dem Treppenlifter oder ein Bandscheiben­vorfall im Zusammenhang mit dem Verlassen der Badewanne.
[Details zur Unfallversicherung der Pflegepersonen]

Aus den Mitteln der Pflegeversicherung können auch Beiträge zur gesetzlichen Renten­versicherung der Pflege­personen gezahlt werden. Die entstehenden Renten­ansprüche sind nicht überwältigend, aber immerhin.
[Details zur Renten­versicherung der Pflegepersonen]

Widerspruch

Gelegent­lich sorgt der Bescheid der Pflegekasse für Stirn­runzeln. Der Pflegegrad ist unerwartet niedrig. Als erstes sollten Sie das Gutachten des MDK gründlich lesen. Darin wird im Detail erläutert, wie die Empfehlung für den Pflegegrad zustande kam. Meistens finden Sie hier überzeugende Gründe.
Sie können gegen die Entscheidung der Pflegekasse Widerspruch einlegen. Dazu können wir Sie individuell beraten.

Überleitung

Wer im Dezember 2016 schon eine Pflegestufe hatte, wurde zum Januar 2017 automatisch auf Pflegegrade umgestellt. Aus Pflegestufe 1 wurde Pflegegrad 2.
Wer im Dezember 2016 zwar keine Pflegestufe, aber die „eingeschränkte Alltags­kompetenz“ (Pflegestufe 0) bescheinigt hat, wird zum Januar 2017 automatisch auf Pflegegrad 2 umgestellt.
Details zur Überleitung.
Die Bundes­regierung will die Umsetzung der Pflegereformen (PSG II und PSG III) systematisch wissen­schaftlich begleiten lassen. „Die Evaluation solle Erkenntnisse zu der Frage liefern, inwieweit die beab­sichtig­ten Wirkungen vor allem des zweiten und dritten Pflege­stärkungs­gesetzes eingetreten seien. Überprüft würden dabei alle beteiligten Akteure, um eventuelle Optimierungs- und An­passungs­möglichkeiten auszuloten.“ (Millich, 2017)

Pflegegrad 1
Pflegegrad 3
Pflegegrad 4
Pflegegrad 5
Allgemeine Informationen zu den Pflegegraden.

Quellen:
– BRi, 2016
– Millich, 2017
– Rheinische Post, 2018a
[ausführliche Quellenangaben]

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Letzte Aktualisierung: 03.02.2018