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Informationen zu den Pflegegraden

Seit dem 1. Januar 2017 gelten die neuen Pflegegrade.
Im fünf-stufigen System der Pflegegrade können vor allem die Bedürfnisse von Demenzkranken bei der Einstufung besser als in den alten Pflegestufen berück­sichtigt werden.
Mit dem Pflegegrad 1 wurden die Voraussetzungen, um überhaupt Leistungen aus der Pflegeversicherung (SGB XI) zu bekommen, deutlich gesenkt. Im Oktober 2017 wurde gemeldet, dass über 3 Millionen Pflegebedürftige einen Pflegegrad haben. (Fricke, 2017)

Bei allen Pflegegraden gibt es den Entlastungsbetrag (125 €), der mit einer anerkannten Pflegedienst / hauswirtschaftlichem Dienst abgerechnet werden kann. Meistens werden in diesem Rahmen haus­wirt­schaftliche Hilfen oder Betreuungs­leistungen vereinbart. Ab Pflegegrad 1 werden auch monatlich 40 € für Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus finanzieren die Pflegekassen unterschiedliche Formen der Pflegeberatung – auch für pflegende Angehörige.
Alle, denen mindestens Pflegegrad 2 zugestanden wurde, haben Anspruch auf Pflegegeld beziehungsweise Sachleistungen. Wir haben für Sie eine Übersicht zu den Geldbeträgen und vielen weiteren Leistungen zusammen gestellt.
Die Pflegekasse greift bei den Kosten für Umbaumaßnahmen unter die Arme. Auch die Kosten für einen Umzug in eine behinderten­gerechte Wohnung können (teilweise) übernommen werden.
Ein elektrisch höhen­verstellbares Krankenbett wird gesetzlich nicht zu den Umbau­maßnahmen gerechnet, sondern ist ein Hilfsmittel. Hilfsmittel können ärztlich verordnet und von der Kranken- bzw. Pflegekasse bezahlt werden.
Wer pflegebedürftigen Nachbarn oder Angehörigen („nicht gewerblich“) hilft, ist über die Pflegeversicherung in der gesetzlichen Unfallversicherung versichert. Die Pflegekassen zahlen für pflegende Angehörige unter Umständen Rentenbeiträge. Voraussetzungen: für die pflegerischen Hilfen bei ein oder mehreren Pflegebedürftigen, denen mindestens Pflegegrad 2 zugestanden wurde, werden regelmäßig mehr als 10 Stunden pro Woche, an zwei verschiedenen Tagen aufgewendet. [Mehr zur Rentenversicherung für Angehörige].

Der Antrag auf einen Pflegegrad muss bei der Pflegekasse gestellt werden. Das machen Sie am Besten schriftlich. Wenn Sie mit dem Ergebnis nicht einverstanden sind, können Sie Widerspruch einlgen. Dazu können wir Sie individuell beraten.

Zu den neuen Pflegegraden gibt es noch viele Detailfragen. Es ist zu erwarten, dass in über 250 Seiten Begutachtungsrichtlinien (BRi) noch die ein oder andere missverständlich Formulierung steckt. Darüber hinaus: Jede Entscheidung der Pflegekassen kann vor Sozialgerichten beklagt werden. Auch durch solche Entscheidungen werden gelegentliche Änderungen nötig werden. Zitat: Die „Begutachtungs-Richtlinien werden auch in Zukunft unter Berück­sichtigung von Erkenntnissen, insbesondere der Pflege­wissenschaft, der Medizin und der Rechtsprechung weiter zu entwickeln sein.“ (BRi, 2016, Seite 6) So wurde es auch mit den Vorschriften zur Einstufung in die Pflegestufen gemacht.
Im Herbst 2017 berichtet der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK), dass 2017 zusätzlich über 400000 Menschen erstmals Leistungen aus der Pflege­versicherung erhalten (Quadbeck, 2017).
Ulrike Mascher (VdK): „Wir sind sehr froh über die ersten Ergebnisse der Pflegereform. Das Grundproblem ist aber ungelöst:“ Es stehen zu wenige Pflegepersonen für zu viele Pflegebedürftige zur Verfügung (NOZ, 2017). Nach zehn Monaten mit den Pflegegraden melden die Gesundheitsbehörden Hamburgs: „Deutlich mehr Personal in Hamburgs Pflegeheimen“. Auch dies ist eine Folge der seit 2017 ausgeweiteten Leistungen der Pflegeversicherung.
Diese erfreulichen Entwicklungen läßt Risiken und Nebenwirkungen erwarten: „Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff ist derzeit noch auf ausgesprochen unglückliche Art und Weise mit den alten Personalbemessungsstrukturen des Pflegestufensystems in der stationären Pflege verknüpft“ (Caritas, 2017)... was innerhalb eines Jahres voraussichtlich dazu führen wird, dass deutlich weniger Personal in den Altenheimen die gleiche Arbeit wird machen müssen. (Details zu Überleitung Pflegestufen ⇒ Pflegegrade).
In Berlin wird 2016 verlautbart, dass verbindliche Personalschlüssel in der (Alten)Pflege im Jahr 2020 beschlossen werden sollen (Deutscher Bundestag, 2016).

Wer professionelle Unterstützung sucht, findet in der Regel mehrere Altenheime oder Pflegedienste in der Umgebung. Es ist schwer „von außen“ zu erkennen, welche Einrichtung den passenden Service bietet. Bei dieser Entscheidung sollen die Pflegenoten helfen. In bestehenden System, das 2009 eingeführt wurde, müssen die Prüfteams vom MDK nach übermäßig bürokratischen und lebensfremden Regeln vor allem prüfen, was in den Akten der Einrichtungen steht. Die Einführung eines verbesserten Prüfsystems ist bis 2019/2020 hinaus geschoben worden. (FR, 2017)

Die Begutachtung zur Ermittlung des Pflegegrads von Kindern, folgt besonderen Regeln. Dazu gibt es viele Erläuter­ungen in den Begut­achtungs­richtlinien (BRi) und sehr viele Einzel­fallent­scheidungen. Wir beschränken uns hier auf die Altenpflege.
Auf unseren Internet­seiten geht es ausschließlich um die gesetzliche Pflege­versicherung in Deutschland. Wer privat kranken­versichert ist, bekommt vergleichbare Leistungen über die private Kranken­versicherung, was nach fast identischen Regeln organisiert wird.

Private Pflegezusatzversicherungen
Solche Policen gehen über die gesetzlich vorge­schriebenen Leistungen und Kosten hinaus. Das ist möglich, weil diese Verträge weitgehend ungeregelt sind. Bei einem Vergleich der Zeitschrift Ökotest (Mai 2017) wird auf einige Fallstricke hingewiesen: Es gibt Angebote, in denen keine Alters­rückstel­lungen gebildet werden. Mancher Vertrag verweigert Leistungen bei den besonders häufigen Pflegegraden 1, 2 und 3. Verträge, die nach den Regelungen des Pflege-Bahr staatlich bezuschusst werden, seien „oft ein teurer Flop“.
Viele Kund*innen erlebten zum Jahres­wechsel 2016/17 eine böse Über­raschung: die Prämien wurden vielfach deutlich erhöht.


Quellen:
– BRi, 2016
– Cartitas, 2017
– Deutscher Bundestag, 2016
– FAZ, 2016
– FR, 2017
– Fricke, 2017
– hamburg.de, 2017
– Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) am 24. Oktober 2017
– Ökotest, Mai 2017
– Quadbeck, 2017
[ausführliche Quellenangaben]

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Letzte Aktualisierung: 06.12.2017