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Informationen zu den Pflegegraden

Im fünf-stufigen System der Pflegegrade können vor allem die Bedürfnisse von Demenzkranken bei der Einstufung besser berück­sichtigt werden als in den alten Pflegestufen (bis Ende 2016).
Mit dem Pflegegrad 1 wurden die Voraus­setzungen, um überhaupt Leistungen aus der Pflege­versicherung (SGB XI) zu bekommen, deutlich gesenkt. Im Oktober 2017 wird ein Rekord vermeldet: erstmals haben über 3 Millionen Pflege­bedürftige einen Pflegegrad. (Fricke, 2017)
Wie kann ich einen Pflegegrad beantragen?
Was zahlt die Pflegekasse bei Pflegegrad 2?
Was ist bei einem Widerspruch gegen den Pflegegrad zu bedenken?
Die Definitionen zu den Pflegegraden aus dem Gesetz zur Pflegeversicherung (§15 SGB XI) helfen bei diesen Fragen wenig weiter.
Auf unseren Internet­seiten geht es ausschließlich um die gesetzliche Pflege­versicherung in Deutschland.

Bei allen Pflegegraden gibt es den Entlastungsbetrag (125 €), der mit einem anerkannten Pflege­dienst/haus­wirt­schaft­lichen Dienst abgerechnet werden kann. Meistens werden in diesem Rahmen haus­wirt­schaftliche Hilfen oder Betreuungs­leistungen vereinbart. Ab Pflegegrad 1 werden auch monatlich 40 € für Zum Verbrauch bestimmte Pflege­hilfs­mittel zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus finanzieren die Pflegekassen unter­schied­liche Formen der Pflegeberatung – auch für pflegende Angehörige.
Alle, denen mindestens Pflegegrad 2 zuge­standen wurde, haben Anspruch auf Pflegegeld beziehungs­weise Sachleistungen. Wir haben für Sie eine Übersicht zu den Geld­beträgen und vielen weiteren Leistungen zusammen gestellt.

Die Pflegekasse greift bei den Kosten für Umbaumaßnahmen unter die Arme. Das könnte ein Handlauf im Flur, ein Treppen­lifter oder eine Rampe zur Straße sein. Auch die Kosten für einen Umzug in eine behinderten­gerechte Wohnung können (teilweise) übernommen werden.
Ein elektrisch höhen­verstellbares Krankenbett wird gesetzlich nicht zu den Umbau­maßnahmen gerechnet, sondern ist ein Hilfsmittel. Hilfsmittel können ärztlich verordnet und von der Kranken- bzw. Pflegekasse bezahlt werden.
Wer pflege­bedürftigen Nachbarn oder Angehörigen („nicht gewerblich“) hilft, ist über die Pflege­versicherung in der gesetzlichen Unfallversicherung versichert. Die Pflegekassen zahlen für pflegende Angehörige unter Umständen Rentenbeiträge. Voraus­setzungen: für die pflegerischen Hilfen bei ein oder mehreren Pflegebedürftigen, denen mindestens Pflegegrad 2 zugestanden wurde, werden regelmäßig mehr als 10 Stunden pro Woche, an zwei verschiedenen Tagen aufgewendet.
Trotz der vielen Möglich­keiten die die Pflege­versicherung bietet: die Leistungen sind begrenzt – viele Pflegebedürftige könnten mit diesen Zahlungen nur einen Teil der Hilfen finanzieren, die nötig sind.

Antrag auf einen Pflegegrad

Der Antrag auf einen Pflegegrad muss bei der Pflegekasse gestellt werden. Das machen Sie am Besten schriftlich (Muster). Nach einem Erst–Antrag muss die Pflegekasse innerhalb von 25 Arbeitstagen den schriftlichen Bescheid zustellen. Im April 2018 meldet die Verbraucherzentrale NRW, dass es zur Bearbeitungsfrist nur selten Beschwerden gebe. (Gräber 2018a)
Wenn seit der letzten Begutachtung durch den MDK die Selbstständigkeit deutlich nachgelassen hat, sollte eine Höherstufung beantragt werden.
Im Auftrag der Pflegekassen schickt (meist) der MDK Gutachtende zu den Antrag­stellenden. Sie sollen beurteilen, wie weit die Selbst­ständig­keit erhalten ist. Dazu werden die Verricht­ungen des Alltags in acht Module und 65 Merkmale eingeteilt. Sie sehen: wieviel Stunden für die Pflege aufgewandt werden müssen, also der Zeitaufwand der bei den Pflegestufen so wichtig war, spielt keine Rolle mehr.
Falls Sie mit dem bewilligten Pflegegrad nicht einverstanden sind, können Sie fristgerecht Widerspruch einlegen (Muster). Dazu können wir Sie individuell beraten.

Zukunft der Pflegeversicherung

Zu den Pflegegraden gibt es noch viele Detailfragen. Es ist zu erwarten, dass in über 250 Seiten Begutachtungsrichtlinien (BRi) noch die ein oder andere missverständlich Formulierung steckt. Darüber hinaus: Jede Entscheidung der Pflegekassen kann vor Sozialgerichten beklagt werden. Auch solche Entscheidungen werden gelegentliche Änderungen nötig machen. Zitat: Die „Begutachtungs-Richtlinien werden auch in Zukunft unter Berück­sichtigung von Erkenntnissen, insbesondere der Pflege­wissenschaft, der Medizin und der Rechtsprechung weiter zu entwickeln sein.“ (BRi, 2016, Seite 6) So wurde es auch mit den Vorschriften zur Einstufung in die Pflegestufen gemacht.
Im Herbst 2017 berichtet der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK), dass 2017 zusätzlich über 400000 Menschen erstmals Leistungen aus der Pflege­versicherung erhalten (Quadbeck, 2017).
Ulrike Mascher (VdK): „Wir sind sehr froh über die ersten Ergebnisse der Pflegereform. Das Grundproblem ist aber ungelöst“: Es stehen zu wenige Pflegepersonen für zu viele Pflegebedürftige zur Verfügung (NOZ, 2017). Nach zehn Monaten mit den Pflegegraden melden die Gesundheitsbehörden Hamburgs: „Deutlich mehr Personal in Hamburgs Pflegeheimen“. Auch dies ist eine Folge der seit 2017 ausgeweiteten Leistungen der Pflegeversicherung.
Diese erfreulichen Entwicklungen läßt Risiken und Nebenwirkungen erwarten: „Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff ist derzeit noch auf ausgesprochen unglückliche Art und Weise mit den alten Personalbemessungsstrukturen des Pflegestufensystems in der stationären Pflege verknüpft“ (Caritas, 2017)... was innerhalb eines Jahres voraussichtlich dazu führen wird, dass deutlich weniger Personal in den Altenheimen die gleiche Arbeit wird machen müssen. Im Mai 2018 verkündet Gesundheitsminister Jens Spahn, dass noch nie so viele Menschen wie heute, mit Leistungen aus der Pflegeversicherung unterstützt werden. Das koste mehr als erwartet. Darüber hinaus: Verbesserungen der Arbeitsbedingungen für die Pflegekräfte werden auch höhere Kosten verursachen. Der Minister bringt eine weitere Steigerung der Beiträge zur Pflegeversicherung ins Gespräch. (SZ, 2018a)
In Berlin wird 2016 verlautbart, dass verbindliche Personalschlüssel in der (Alten)Pflege im Jahr 2020 beschlossen werden sollen (Deutscher Bundestag, 2016).

Pflegenoten

Wer professionelle Unterstützung sucht, findet in der Regel mehrere Altenheime oder Pflegedienste in der Umgebung. Es ist schwer „von außen“ zu erkennen, welche Einrichtung den passenden Service bietet. Bei dieser Entscheidung sollen die Pflegenoten helfen. In bestehenden System, das 2009 eingeführt wurde, müssen die Prüfteams vom MDK nach übermäßig bürokratischen und lebensfremden Regeln vor allem prüfen, was in den Akten der Einrichtungen steht. Die Einführung eines verbesserten Prüfsystems ist bis 2019/2020 hinaus geschoben worden. (FR, 2017)

Pflegegrade bei Kindern

Die Begutachtung zur Ermittlung des Pflegegrads von Kindern, folgt besonderen Regeln. Dazu gibt es viele Erläuter­ungen in den Begut­achtungs­richtlinien (BRi) und sehr viele Einzel­fallent­scheidungen. Wir beschränken uns hier auf die Altenpflege.
... Details

Private Pflegezusatzversicherungen

Solche Policen gehen über die gesetzlich vorge­schriebenen Leistungen und Kosten hinaus. Das ist möglich, weil diese Verträge weitgehend ungeregelt sind. Bei einem Vergleich der Zeitschrift Ökotest (Mai 2017) wird auf einige Fallstricke hingewiesen: Es gibt Angebote, in denen keine Alters­rückstel­lungen gebildet werden. Mancher Vertrag verweigert Leistungen bei den besonders häufigen Pflegegraden 1, 2 und 3. Verträge, die nach den Regelungen des Pflege-Bahr staatlich bezuschusst werden, seien „oft ein teurer Flop“.
Viele Kund*innen erlebten zum Jahres­wechsel 2016/17 eine böse Über­raschung: die Prämien für die meisten Verträge wurden deutlich erhöht.


Quellen:
– BRi, 2016
– Cartitas, 2017
– Deutscher Bundestag, 2016
– FAZ, 2016
– FR, 2017
– Fricke, 2017
– Gräber, 2018a
– hamburg.de, 2017
– Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) am 24. Oktober 2017
– Ökotest, Mai 2017
– Quadbeck, 2017
– Süddeutsche Zeitung (SZ) 2018a
[ausführliche Quellenangaben]

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Letzte Aktualisierung: 18.05.2018