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Informationen zu den Pflegegraden

qr-CodeIm fünf-stufigen System der Pflegegrade können vor allem die Bedürfnisse von Demenzkranken bei der Einstufung besser berück­sichtigt werden als in den alten Pflegestufen (bis Ende 2016).
Mit dem Pflegegrad 1 wurden die Voraus­setzungen, um überhaupt Leistungen aus der Pflege­versicherung (SGB XI) zu bekommen, deutlich gesenkt. Im Oktober 2017 wird ein Rekord vermeldet: erstmals haben über 3 Millionen Pflege­bedürftige einen Pflegegrad. (Fricke, 2017)
❓ Wie kann ich einen Pflegegrad beantragen?
❓ Was zahlt die Pflegekasse bei Pflegegrad 2?
❓ Was ist bei einem Widerspruch gegen den Pflegegrad zu bedenken?
Die Definitionen zu den Pflegegraden aus dem Gesetz zur Pflegeversicherung (§15 SGB XI) helfen bei diesen Fragen wenig weiter.
Auf unseren Internet­seiten geht es ausschließlich um die gesetzliche Pflege­versicherung in Deutschland.

Bei allen Pflegegraden gibt es den Entlastungsbetrag (125 €/Monat), der mit einem anerkannten Pflege­dienst/haus­wirt­schaft­lichen Dienst abgerechnet werden kann. Meistens werden in diesem Rahmen haus­wirt­schaftliche Hilfen oder Betreuungs­leistungen vereinbart. Ob auch bei Ihnen in erreichbarer Nähe passende Angebote gemacht werden? Skepsis ist angebracht. Ein Bericht aus Drensteinfurt (15000 Einw.) zeigt: alle drei Pflegedienste im Ort melden: „Keine Kapazitäten frei.“ (WN, 2018) Das bestätigt Klagen, die aus ganz Deutschland seit 2017 immer häufger zu hören sind: weder für hauswirtschaftliche, noch für pflegerische Aufgaben ist ausreichend Personal zu finden. Bis Ende 2018 könnte es möglich sein, noch Ansprüche aus 2016 geltend zu machen (NWZ, 2018).
Ab Pflegegrad 1 werden auch monatlich 40 € für Zum Verbrauch bestimmte Pflege­hilfs­mittel zur Verfügung gestellt. Weitgehend unbekannt ist, dass die Pflegekassen unter­schied­liche Formen der Pflegeberatung – auch in der eigenen Wohnung, auch für pflegende Angehörige finanziert (MAZ, 2018). Dabei kann es beispielsweise um Fragen zu „Mophium“ gehen? Oft ist ein persönliches Gespräch mit einer Pflegefachperson hilfreicher, als Infoblätter wie dieses.
Alle, denen mindestens Pflegegrad 2 zuge­standen wurde, haben Anspruch auf Pflegegeld beziehungs­weise Sachleistungen. Es gibt auch Leistungen für Verhinderungspflege. Wir haben für Sie eine Übersicht zu den Geld­beträgen und vielen weiteren Leistungen zusammen gestellt.

Allgemein zum Pflegegeld:
„Da die tatsächlichen Kosten für die Pflege das gebührende Pflegegeld in den meisten Fällen übersteigen, kann das Pflegegeld nur als pauschalierter Beitrag zu den Kosten der erforderlichen Pflege verstanden werden.“ Dieser Satz stammt von www.gesundheit.gv.at und zeigt, dass sich nicht nur der Gesetzgeber in Deutschland mit der Unterstützung der informellen Pflege schwer tut.

Die Pflegekasse greift bei den Kosten für Umbaumaßnahmen unter die Arme. Das könnte ein Handlauf im Flur, ein Treppen­lifter oder eine Rampe zur Straße sein. Auch die Kosten für einen Umzug in eine behinderten­gerechte Wohnung können (teilweise) übernommen werden. Neben den Pflegekassen gibt es auch andere finanzielle Hilfen. Bis zu 1600€ Zuschuss können für Maßnahmen zum Einbruchschutz in Bestandsimmobilien gewährt werden. Bis zu 50000€ Kredit ab 0,75% Zinsen könnte es für Umbauten geben, die Barrieren mindern. (Stand August 2018) Dieses Geld von der Bundesregierung wird die über die KfW vergeben. Die Pflegestützpunkte sollten auch zu solchen Förderprogrammen beraten können.
Ein elektrisch höhen­verstellbares Krankenbett wird gesetzlich nicht zu den Umbau­maßnahmen gerechnet, sondern ist ein Hilfsmittel. Hilfsmittel können ärztlich verordnet und von der Kranken- bzw. Pflegekasse bezahlt werden.
Die gesellschaftliche Bedeutung der familialen Pflege macht eine Zahl aus England deutlich: über 10% der Gesamtbevölkerung leisten regelmäßig pflegerische Hilfen für Verwandte oder Bekannte (Marsh, 2018).
Wer in Deutschland pflege­bedürftigen Nachbarn oder Angehörigen („nicht gewerblich“) hilft, ist über die Pflege­versicherung in der gesetzlichen Unfallversicherung versichert. Die Pflegekassen zahlen für pflegende Angehörige unter Umständen Rentenbeiträge. Voraus­setzungen: für die pflegerischen Hilfen bei ein oder mehreren Pflegebedürftigen, denen mindestens Pflegegrad 2 zugestanden wurde, werden regelmäßig mehr als 10 Stunden pro Woche, an zwei verschiedenen Tagen aufgewendet.
Trotz der vielen Möglich­keiten die die Pflege­versicherung bietet: die Leistungen sind begrenzt – viele Pflegebedürftige könnten mit diesen Zahlungen nur einen Teil der Hilfen finanzieren, die nötig sind. Bis 2016 gab es die Pflegestufen mit der Pflegestufe 0 für Demenzkranke. Einen Pflegegrad 0 gibt es nicht. Die Hürden, um Pflegegrad 1 zu erreichen sind recht niedrig.

Viele Menschen, denen Pflegegrad 1 zugestanden wurde, leben mit Demenz. Schon wer in Deutschland aufgewachsen ist, hat es nach dem Schock der Erstdiagnose nicht leicht, verlässliche Informationen zu finden. Menschen mit anderer Muttersprache haben es noch viel schwerer. Hier ist eine Link-Sammlung zu Broschüren und Videos in den Sprachen: ⤴︎Russisch, ⤴︎Türkisch, ⤴︎Bengali, ⤴︎Chinesisch (traditionell), ⤴︎Englisch, ⤴︎Gujarati, ⤴︎Hindi, ⤴︎Punjabi, ⤴︎Urdu und ⤴︎Walisisch.

Punkt Antrag auf einen Pflegegrad

Für einen Pflegegrad ist zum einen wichtig, wie weit jemand in der Lage ist, ohne Hilfen anderer Menschen durch einen „normalen“ Alltag zu kommen. Zum anderen, ob die Einschränkungen der Selbstständigkeit auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate bestehen werden. Welche Krankheit oder Behinderung die Ursache für die Pflegebedürftigkeit ist oder wie alt jemand ist, bleibt zweitrangig. Ob Demenz, Rheuma oder Multiple Sklerose dazu führt, dass eine Pflegeperson beim Duschen unterstützen muss, ist nicht entscheidend. Es muss bei der Begutachtung festgestellt werden, welche Anregungen, Handgriffe oder Verrichtungen ... durch Angehörige oder Pflegekräfte durchzuführen sind.
Worauf zu achten ist, wurden auf über 250 Seiten Begutachtungsrichtlinien (BRi) fest geschrieben – ob Ihnen Pflegegrad 3 oder Pflegegrad 4 zusteht, ist nicht leicht zu entscheiden. Die üblichen Pflegegradrechner geben nur ein paar Stichworte. Die Erläuterungen der Richtlinien passen nicht in einfache APPs, Tabellen oder Formulare.

Der Antrag auf einen Pflegegrad muss bei der Pflegekasse gestellt werden. Das machen Sie am Besten schriftlich (Muster). Nach einem Erst–Antrag muss die Pflegekasse innerhalb von 25 Arbeitstagen den schriftlichen Bescheid zustellen. Im April 2018 meldet die Verbraucherzentrale NRW, dass es zur Bearbeitungsfrist nur selten Beschwerden gebe. (Gräber 2018a)
Wenn seit der letzten Begutachtung durch den MDK die Selbstständigkeit deutlich nachgelassen hat, sollte eine Höherstufung beantragt werden.
Im Auftrag der Pflegekassen kommen (meist) MDK–Mitarbeitende zur Begutachtung in die Wohnung der Antrag­stellenden. Es muss beurteilt werden, wie weit die Selbst­ständig­keit erhalten ist. Dazu wurden die Verricht­ungen des Alltags in acht Module und 65 Merkmale eingeteilt. Sie sehen: wieviel Stunden für die Pflege aufgewandt werden müssen, also der Zeitaufwand der bei den Pflegestufen so wichtig war, spielt keine Rolle mehr.
Die TK in Rheinland-Pfalz meldet, in 2017 habe sie 18 % mehr Erstanträge als im Vorjahr bearbeitet (Ärzte Zeitung, 2018b).
Falls Sie mit dem bewilligten Pflegegrad nicht einverstanden sind, können Sie fristgerecht Widerspruch einlegen (Muster). Für die Bearbeitungszeiten für Erstanträge auf einen Pflegegrad gibt esgesetzliche Vorgaben. Verbindliche Fristen für die Bearbeitung von Widersprüchen werden nicht gemacht. Der SoVD beklagt im August 2018, dass die Betroffenen länger und länger warten müssten. Wenn Sie sich auf die Begutachtung durch den MDK gut vorbereiten können Sie einen Widerspruch vielleicht vermeiden.
Falls ein Widerspruch nötig scheint, können wir Sie individuell beraten.

Punkt Pflegenoten | Qualitätsdarstellungen

Wer professionelle Unterstützung sucht, findet in der Regel mehrere Altenheime oder Pflegedienste in erreichbarer Nähe. Es ist schwer „von außen“ zu erkennen, welche Einrichtung den passenden Service bietet. Bei dieser Entscheidung sollen die Pflegenoten helfen. Im bestehenden System, das 2009 eingeführt wurde, müssen die Prüfteams vom MDK nach übermäßig bürokratischen und lebensfremden Regeln vor allem prüfen, was in den Akten der Einrichtungen steht. (FR, 2017) Im August 2018 wird eine pflegewissenschaftliche Studie zu Qualitätsdarstellungen der Pflege vorgelegt. Im September 2018 wird vom Gesundheitsministerium erklärt: „Die neuen Verfahren zur Messung und Darstellung von Qualität sollen ab dem Jahr 2019 wirksam werden.“ (BMG, 2018b und MDS, 2018b)
Im Sprachgegrauch der Medizinischen Dienste (MDK) zeigen die Pflegenoten die Ergebnisse der Pflegequalitätsprüfungen. Die Forschungsaufträge zur Entwicklung der Instrumente zur Qualitätsprüfung und -darstellung für die ambulante und die stationäre Pflege wurden Anfang Januar 2017 vergeben. (MDS, 2018b) Im Juni 2018 kündigt Dr. Pick (MDS) verbindliche Neuerungen für Pflegeheime im Jahr 2019 und für ambulante Dienste im Jahr 2020 an. „Das neue Prüfverfahren wird noch viel stärker als bisher die bewohnerbezogene Qualität ins Zentrum der MDK-Qualitätsprüfung rücken. Im Fokus steht: Welche Pflegequalität kommt beim pflegebedürftigen Menschen tatsächlich an? ... Die sogenannte Qualitätstransparenz – also das bisherige Darstellen der Pflegequalität in Pflegenoten – wird sich grundlegend verändern.“ (MDS, 2018a)

Punkt 24 Stunden Pflege zu Hause

Mit der Hilfe von osteuropäischen „Haushaltshilfen“ ermöglichen sich immer mehr Pflegebedürftige und Angehörige zu Hause wohnen zu bleiben. Doch die meist polnischen, rumänischen oder bulgarischen Frauen sind isoliert. Die Vermittlungsagenturen engagieren sich selten für ihre Interessen. So fühlen sie sich den Bedingungen ausgeliefert, die sie vorfinden. Seit Jahren werden es mehr und mehr Familien, die sich nicht anders zu helfen wissen. Und immer mehr Osteuropäerinnen verdienen ihren Lebensunterhalt in noch nicht mal halb-legalen Arbeitsverhältnissen. Die deutsche Gesellschaft schaut zu.
Schattenwirtschaft
aus: RP, 2018d

Punkt Pflegegrade bei Kindern

Die Begutachtung zur Ermittlung des Pflegegrads von Kindern, folgt besonderen Regeln. Dazu gibt es viele Erläuter­ungen in den Begut­achtungs­richtlinien (BRi) und sehr viele Einzel­fallent­scheidungen. Wir beschränken uns hier auf die Altenpflege.
... Details

Punkt Private Pflegezusatzversicherungen

Solche Policen gehen über die gesetzlich vorge­schriebenen Leistungen und Kosten hinaus. Das ist möglich, weil diese Verträge weitgehend ungeregelt sind. Bei einem Vergleich der Zeitschrift Ökotest (Mai 2017) wird auf einige Fallstricke hingewiesen: Es gibt Angebote, in denen keine Alters­rückstell­ungen gebildet werden. Mancher Vertrag verweigert Leistungen bei den besonders häufigen Pflegegraden 1, 2 und 3. Verträge, die nach den Regelungen des Pflege-Bahr staatlich bezuschusst werden, seien „oft ein teurer Flop“.
Viele Kund*innen erlebten zum Jahres­wechsel 2016/17 eine böse Über­raschung: die Prämien für die meisten Verträge wurden deutlich erhöht.

Punkt Zukunft der Pflegeversicherung

Im August 2018 veröffentlicht der NDR einen Beitrag mit dem Titel: Maximaler Gewinn auf Kosten der Pflege. Es wird beklagt, dass es in Altenheimen zu leicht möglich sei, den Gewinn der Investoren auf Kosten der Pflegebedürftigen und der Pflegekräfte zu maximieren. Heiner Garg, zuständiger Minister: Am Personal zu sparen „ist für mich vollkommen inakzeptal.“ Auf Diskussionen zur Absenkung der Fachkräftequote lasse er sich überhaupt nicht ein. „Die Pflegerinnen und Pfleger arbeiten nicht am Anschlag, sondern meist schon darüber hinaus.“ Er bittet die Angehörigen darum, bei Problemen die Heimaufsichten zu informieren. Dann könne man tätig werden. Zum Personalmangel in den Heimaufsichten, zu Möglichkeiten die das Land Schleswig–Holstein hätte, Personalbesetzung von Nachtwachen in Altenheimen schon heute zu regeln, wird der Minister nicht gefragt.
Beim Tag der offenen Tür des Gesundheitsministeriums am 26. August 2018 sagte Jens Spahn zum SOFRORTprogramm für 13000 zusätzliche Stellen in Altenheimen: „Das tritt zum 1.1.2019 in Kraft und ich gehe davon aus, dass im Januar die ersten Pflegefachkräfte eingestellt werden.“ Um diese Hoffnung des Ministers zu erfüllen, muss vor allem im Ministerium noch viel getan werden. [... mehr lesen]

Zu den Pflegegraden wird es auch 2019 noch viele offene Detailfragen geben. Es ist zu erwarten, dass in über 250 Seiten Begutachtungsrichtlinien (BRi) noch die ein oder andere missverständlich Formulierung steckt. Darüber hinaus: Jede Entscheidung der Pflegekassen kann vor Sozialgerichten beklagt werden. Auch solche Entscheidungen werden gelegentliche Änderungen nötig machen. Zitat: Die „Begutachtungs-Richtlinien werden auch in Zukunft unter Berück­sichtigung von Erkenntnissen, insbesondere der Pflege­wissenschaft, der Medizin und der Rechtsprechung weiter zu entwickeln sein.“ (BRi, 2016, Seite 6) So wurde es auch mit den Vorschriften zur Einstufung in die Pflegestufen gemacht.
Im Herbst 2017 berichtet der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK), dass 2017 zusätzlich über 400000 Menschen erstmals Leistungen aus der Pflege­versicherung erhalten (Quadbeck, 2017). 2018 bekommen drei mal soviele Menschen Leistungen der Pflegeversicherung als 1995. Die Ausgaben der Pflegekassen wurden in den vergangenen 20 Jahren um mehr als 100% gesteigert. (Die Zeit, 2018)
Ulrike Mascher (VdK): „Wir sind sehr froh über die ersten Ergebnisse der Pflegereform. Das Grundproblem ist aber ungelöst“: Es stehen zu wenige Pflegepersonen für zu viele Pflegebedürftige zur Verfügung (NOZ, 2017). Nach zehn Monaten mit den Pflegegraden melden die Gesundheitsbehörden Hamburgs: „Deutlich mehr Personal in Hamburgs Pflegeheimen“ (Hamburg, 2017). Auch dies ist eine Folge der seit 2017 ausgeweiteten Leistungen der Pflegeversicherung.
Diese erfreulichen Entwicklungen lassen Risiken und Nebenwirkungen erwarten: „Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff ist derzeit noch auf ausgesprochen unglückliche Art und Weise mit den alten Personalbemessungsstrukturen des Pflegestufensystems in der stationären Pflege verknüpft“ (Caritas, 2017)... Was innerhalb eines Jahres voraussichtlich dazu führen wird, dass deutlich weniger Personal in den Altenheimen die gleiche Arbeit wird machen müssen. Im Mai 2018 verkündet Gesundheitsminister Jens Spahn, dass noch nie so viele Menschen wie heute, mit Leistungen aus der Pflegeversicherung unterstützt werden. Das koste mehr als erwartet. Darüber hinaus: Verbesserungen der Arbeitsbedingungen für die Pflegekräfte werden auch höhere Kosten verursachen. Der Minister bringt eine weitere Steigerung der Beiträge zur Pflegeversicherung ins Gespräch. (SZ, 2018a)
In Berlin wird 2016 verlautbart, dass verbindliche Personalschlüssel in der (Alten)Pflege im Jahr 2020 beschlossen werden sollen (Deutscher Bundestag, 2016). Bisher wird der Personalbedarf in Relation zu den Pflegegraden bestimmt. Das ist viel zu ungenau (PTHV, 2018a). Ein Schritt in diese Richtung ist eine Verordnung des Gesundheitsministers Jens Spahn: ab 2019 gelten Mindestvorgaben für die Pflegepersonalberechnung in einzelnen Bereichen im Krankenhaus. (Groll, 2018)
Woher sollen die zusätzliche Pflegekräfte kommen, die mehr Versorgungsssicherheit und Lebensqualität in den Alltag der Pflegebedürftigen bringen? Es soll in keinem Bundesland mehr Schulgeld in der Altenpflegeausbildung geben. Das trägt hoffentlich dazu bei, dass mehr ausgebildet wird. In NRW wird das Problem mit der Finanzierung der Ausbildungsstätten angegangen: „Die derzeit geltende Schulkostenpauschale in Höhe von 280 Euro pro Kopf und Monat war in Fachkreisen schon lange als nicht auskömmlich kritisiert worden. Sie soll im kommenden Jahr auf 380 Euro steigen.“ (RP, 2018)
Gerade in ländlichen Gebieten reicht das Angebot von ambulanten pflegerischen Hilfen oft nicht aus (Pokraka, 2017). Hinzu kommt, dass es auch zu wenig ärztliches Interesse gibt, auf dem Dorf zu arbeiten. Innerhalb der bestehenden Abgrenzungen der medizinischen und pflegerischen Versorgung werden sich diese Probleme kaum lösen lassen. Unter dem Titel Schwester Agnes laufen seit Jahren Modellprojekte in Brandenburg und Rheinland-Pfalz, die Pflegefachkräfte mit einem weiteren Aufgabenfeld über die Döfer schicken. Im August 2018 werden für NRW ähnliche Initiativen gefordert (RP, 2018c).
Die smarte digitale Reise geht in Richtung „seniorengerechte Systeme“. Es werden Haushaltsroboter, vernetzte Pflegesessel, Sturzsensoren oder Sprachassistenzen entwickelt. Ob das zu einer Rundum-Überwachung für das „altersgerechte Leben daheim“ führt? 2018 geht es vor allem um Technik, die Menschen hilft Bewegungseinschränkungen im Alltag ohne menschliche Hilfe zu bewältigen. Was von Fitness APPs bekannt ist, kommt als Sensoren zur Erfassung von Gesundheitsdaten auch langsam in der Altenhilfe an. Systeme mit selbst fahrenden Robotern wie PEPPER, die zum Beispiel in der Freizeitbeschäftigung eingesetzt werden können,sind für die nächtsen Jahre nicht alltagstauglich. (WDR, 2018) [... mehr zum Thema]

VdK und DGB fordern mit anderen Organisationen seit Jahren die Einnahmen der gesetzlichen Pflegeversicherung zu verbessern. Deshalb solle eine Bürgerversicherung eingeführt werden, in die auch diejenigen einzahlen, die Mitgleider der privaten Krankenversicherungen sind (VdK, 2014).
Kristiana Ludwig schreibt 2018 in der Süddeutschen Zeitung: „Der Staat muss Pflege endlich als Daseinsvorsorge begreifen. Eine Pflege-Vollversicherung wird alle Bürger mehr kosten, aber auch alle besser absichern,“ fordert also eine deutliche Ausweitung der Leistungen der Pflegeversicherung (Ludwig, 2018). In der taz reflektiert Christoph Lixenfeld Erfahrungen aus Schweden. Er argumentiert, dass die Pflegeversicherung Ursache für viele Probleme in Deutschlands Altenhilfe sei. Er fordert: Pflegeversicherung abschaffen! (Lixenfeld, 2018)

Im Herbst 2018 ist Wahlkampf in Bayern. Die CSU verheißt einenRechtsanspruch auf einen Pflegeplatz für alle Pflegebedürftigen ab Pflegegrad 2 (unabhängig vom Alter). Die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml: „Das ist ein großer Tag für die Pflege.“ (Wäre der „große Tag“ nicht eher der Tag, an dem diese Idee Gesetzeskraft erlangt – und der Anspruch einklagbar wird?) (Schwäbische, 2018)

Im Sommer 2018 bringen Grüne und Linke das Thema pflegebedingte Eigenanteile in Altenheimen in den Gesundheitsausschuss des Bundestags. Eine Reform brachte Januar 2017 einen Einheitsbetrag von 580 €. Abhängig vom Bundesland müssen im April 2018 sehr unterschiedliche Beträge gezahlt werden. Im Durchschnitt sind gut 600 € pro Monat fällig – von 237 € in Thüringen bis 872 € in Berlin (Süddeutsche, 2018b). Der monatlich von den Pflegebedürftigen zu zahlende Gesamtbetrag ist durchschnittlich 1831 €. Das reicht von 1201 € in Sachsen bis zu 2326 € in Nordrhein-Westfalen. (FR, 2018) Heiner Garg (FDP): „Die Eigenanteile der Heimbewohner werden immer höher. Ich halte das für nicht mehr zumutbar.“ (NDR, 2018)
Es wird diskutiert, die Höhe des Eigenanteils zu deckeln oder private Pflege–Zusatzversicherungen auch für diese Kosten einzuführen (HiB, 2018).
„Pflegekräfte sollen besser bezahlt werden. Doch wer soll das finanzieren? Gerade in NRW reicht die Rente vielfach nicht für die Pflege.“ Daher mahnt der Politikwissenschaftler Wolfgang Schroeder: Das geht so alles gar nicht mehr. (Politikum, 2018)

Ein Blick über den Tellerrand, über die Landesgrenze macht deutlich, wie groß der Abstand zwischen dem Anspruch: Altenpflege, die die Würde des Menschen achtet und dem Alltag von Pflege und Gesundheitspolitik in Deutschland ist. In Dänemark sind die Kommunen für alles zuständig, was die Altenpflege angeht, auch für die Pflegeprophylaxe. Die Tagesthemen zeigen die Auswirkungen:
Würdevolle Pflege auf Staatskosten (gesendet am 15. August 2018)


Quellen:
qr-Code erstellt mit www.goqr.me
– Ärzte Zeitung, 2018b
– BRi, 2016
– Bundesministerium für Gesundheit (BMG) 2018b
– Caritas, 2017
– Deutscher Bundestag, 2016
– Die Zeit, 2018
– FAZ, 2016
– FR (Frankfurter Rundschau), 2017
– FR (Frankfurter Rundschau), 2018
– Fricke, 2017
– Gräber, 2018a
– Groll, Tina, 2018
– hamburg.de, 2017
– HiB, Heute in Bundestag 2018
– Lixenfeld, 2018
– Ludwig, Kristiana, 2018
– Märkische Allgemeine (MAZ) 2018
– Marsh, 2018
– MDS, 2018a
– MDS, 2018b
– MoMa (Morgenmagazin), 2018
– NDR, Schleswig-Holstein Magazin, 29.06.2018
– Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) am 24. Oktober 2017
– NWZ, Nordwest Zeitung, 2018
– Ökotest, Mai 2017
– Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar (PTHV) 2018a
– Politikum (Radiosendung auf WDR5 5), 2018
– Pokraka, Daniel (2017)
– Quadbeck, 2017
– Rheinische Post (RP) 2018b
– Rheinische Post (RP) 2018c
– Rheinische Post (RP) 2018d
– Schwäbische, 2018
– Sozialverband Deutschland (SoVD) 2018
– Süddeutsche Zeitung (SZ), 2018a
– VdK, 2014
– WDR, 2018
[ausführliche Quellenangaben]

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Letzte Aktualisierung: 15.10.2018