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Pflegegrad 5
schwerste Beeinträchtigungen der Selbst­ständigkeit mit besonderen Anforderungen an die Pflege

Bei Pflegegrad 5 liegen „schwerste Beeinträchti­gungen der Selbst­ständigkeit oder der Fähigkeiten mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung“ vor (Definition aus §15 SGB XI). Bei der Begutachtung werden 90 bis 100 Gesamtpunkte erreicht.
Es gibt nur wenige Menschen, die mit so starken Ein­schränkungen leben müssen, dass Pflegegrad 5 zutreffen könnte. Beispiel­haft ein Szenario: Jemand ist kaum in der Lage im Bett die Liege­position selbst zu verändern. Es ist täglich Hilfe nötig um einige Stunden außerhalb des Betts verbringen zu können. Getränke und Mahlzeiten müssen aufwendig angereicht werden. Auch in der Nacht sind Hilfen beim Umgang mit Ausscheidungen nötig... Hier könnten die Voraus­setzungen für den Pflegegrad 5 erfüllt sein.
Bei Pflege­bedürftigen, die rein nach Punkten den Pflegegrad 5 nicht erreichen, können besondere Bedarfs­konstellationen anerkannt werden. Bisher führt ausschließlich die Gebrauchs­unfähigkeit beider Arme und beider Beine automatisch zu Pflegegrad 5.

Die Versicherten müssen den Pflegegrad beantragen. Dazu genügt ein formloses Schreiben an die Pflegekasse, die über die Krankenkasse zu erreichen ist.
Mehr zum Antrag auf einen Pflegegrad... (Hier finden Sie auch einen Muster Brief.)
Im Auftrag der Pflegekassen schickt (meist) der MDK Gutachtende. Sie sollen beurteilen, wie weit die Selbst­ständig­keit der Antrag­stellenden erhalten ist. Dazu werden die Verricht­ungen des Alltags in acht Module und 65 Merkmale eingeteilt. Sie sehen: wieviel Stunden für die Pflege aufgewandt werden müssen, also der Zeitaufwand der bei den Pflegestufen so wichtig war, spielt keine Rolle mehr.

Ab 2017 gibt es für Pflege­bedürftige, denen mindestens der Pflegegrad 2 zugestanden wird, regelmäßige Leistungen. Die wichtigsten sind:

Aktuelle Überlegungen zur Zukunft der Pflegeversicherung ...

Punkt Geldleistungen bei Pflegegrad 5

Übersicht:
💶 901€ Pflegegeld
💶 1995€ Sachleistung (mit anerkanntem Pflegedienst abrechnen)
💶 125€ Entlastungs­betrag (mit anerkanntem Pflegedienst abrechnen)
💶 40€ Pflegehilfsmittel (mit Sanitätshaus abrechnen)
...

Bei Pflegegrad 5 gibt es Anspruch auf 901 € Pflegegeld oder 1995 € Sachleistung pro Monat. Wird dieses Budget nicht ausgeschöpft, kann das Pflegegeld anteilig ausgezahlt werden [Kombinations­leistungen ...]
Der monatliche Entlastungs­betrag (125 €) ist in erster Linie für „Hauswirtschaft und Betreuung“ gedacht. Auch dieser Betrag kann, so wie die Sachleistungen, nur mit einer anerkannten Einrichtung abgerechnet werden. Es ist möglich nicht beanspruchte Entlastungsbeträge bis zum Juni des Folgejahres zu verbrauchen (DAlzG, 2018a).
In vielen Gemeinden gibt es Projekte, die Alltagshilfen anbieten. Langzeit­arbeitslose bekommen „1–Euro–Jobs“ und Senior*innen können länger selbständig in ihrer Wohnung leben (Rheinische Post). Im Main-Tauber Kreis schließen sich Landfrauen zusammen, um auch in diesem Bereich arbeiten zu können (Mannheimer Morgen). Ob auch bei Ihnen in erreichbarer Nähe passende Angebote gemacht werden? Skepsis ist angebracht. Ein Bericht aus Drensteinfurt (15000 Einw.) zeigt: alle drei Pflegedienste im Ort melden: „Keine Kapazitäten frei.“ (WN, 2018) Das bestätigt Klagen, die aus ganz Deutschland seit 2017 immer häufger zu hören sind: weder für hauswirtschaftliche, noch für pflegerische Aufgaben ist ausreichend Personal zu finden. Ein Anruf im Pflegestützpunkt sollte Klarheit schaffen. Bis Ende 2018 könnte es möglich sein, noch Ansprüche aus 2016 geltend zu machen (NWZ, 2018).
Es können Ausgaben für Pflegehilfsmittel bis zu 40 € pro Monat erstattet werden. (Ihr Sanitätshaus berät Sie sicher gern!)
Ein Altenheim bekommt als Zuschuss 2005 € von der Pflegekasse. Im April 2018 werden als pflegebedingter Eigenanteil im Durchschnitt gut 600 € pro Monat fällig. Das reicht von 237 € in Thüringen bis 872 € in Berlin (Süddeutsche, 2018b).
Es gibt 19 verschiedene Leistungen der Pflege­versicherung, wenn Pflegegrad 5 bewilligt wurde.
Zur vollständigen Liste.
Wer pflege­bedürftigen Nachbarn oder Angehörigen hilft, könnte unter dem Schutz der gesetzlichen Unfall­versicherung stehen. Unter Umständen werden Beiträge zur Renten­versicherung für die Pflegepersonen gezahlt

Es gibt viele weitere staatliche Leistungen, die bei Pflege­bedürftig­keit gezalt werden.
Zum Beispiel: Wem Pflegegrad 4 oder 5 zugestanden wurde, könnte Steuern sparen. Die DHZ veröffent­lichte im November 2017 Hinweise dazu: Den Pflegebe­dürftigen stehe der „erhöhte Behinderten-Pauschalbetrag in Höhe von 3700 € zu.“ Bei häuslicher Versorgung komme „der Pflegebetrag von 924 € als außergewöhnliche Belastung“ hinzu. Pflegende Angehörige die erben könnten „im Rahmen der Erbschafts­steuer­ermittlung einen zusätzlichen Pflege­freibetrag in Höhe von 20000 € beantragen“.
Zum Beispiel: In Bayern soll 2018 begonnen werden ab Pflegegrad 2 ein bayerisches Pflegegeld von 1000 € pro Jahr zu zahlen.
Nutzen Sie die Beratungs­angebote der Pflegestützpunkte!

Punkt Umbaumaßnahmen

Die Pflegekasse greift auch bei den Kosten für Umbaumaßnahmen unter die Arme. Das könnte ein Patienten­lifter sein, der fest eingebaut wird und den Transfer vom Bett auf einen Rollstuhl ermöglicht. Denkbar ist auch ein Treppenlifter oder eine neue Tür zur Terrasse, damit das Krankenbett nach draußen geschoben werden kann. Auch die Kosten für einen Umzug in eine behinderten­gerechte Wohnung können (teilweise) übernommen werden.
Neben den Pflegekassen gibt es auch andere finanzielle Hilfen. Bis zu 1600€ Zuschuss können für Maßnahmen zum Einbruchschutz in Bestandsimmobilien gewährt werden. Bis zu 50000€ Kredit ab 0,75% Zinsen könnte es für Umbauten geben, die Barrieren mindern. (Stand August 2018) Dieses Geld von der Bundesregierung wird die über die KfW vergeben. Die Pflegestützpunkte sollten auch zu solchen Förderprogrammen beraten können.
Ein elektrisch höhen­verstellbares Krankenbett wird gesetzlich nicht zu den Umbau­maßnahmen gerechnet, sondern ist ein Hilfsmittel. Hilfsmittel können ärztlich verordnet und von der Kranken- bzw. Pflegekasse bezahlt werden.

Punkt Beratung

Wer Leistungen zum Pflegegrad 5 bekommt, muss vier mal im Jahr Pflege­beratung in der eigenen Wohnung in Anspruch nehmen (§ 37(3) SGB XI). Meistens werden solche Beratungen von ambulanten Pflege­diensten durchgeführt. Häufige Themen sind Hilfsmittel wie Patienten­lifter, Pflegebetten oder Transfer­hilfen. Oft geht es auch um rücken­schonende Hebetechniken oder Möglichkeiten der Schmerz­therapie. (Haben Sie Fragen zu „Mophium“? Oft ist ein persönliches Gespräch mit einer Pflegefachperson hilfreicher, als Infoblätter wie dieses.) Pflegebedürftige, wie Angehörige nutzen diese Termine viel zu selten als Chance, um Fragen aus dem Pflegealltag zu klären (MAZ, 2018).
[Mehr zur Pflegeberatung ...]

Punkt Pflegende Angehörige

Wer einen pflege­bedürfti­gen Angehörigen versorgt, erbringt täglich Höchst­leistungen! Nicht selten führt das zu körperlicher und psychischer Überlastung. Das Gefühl ständig in Bereitschaft sein zu müssen und immer weniger soziale Kontakte außerhalb der Pflege­verantwortung zu haben, geht an die Substanz. Eigentlich täglich irgend etwas für die Pflege­bedürf­tigen tun zu müssen, lässt kaum Zeit und Energie für eigene Interessen.
Fallen die pflegenden Angehörigen aus, können Leistungen zur Kurzzeitpflege oder Verhinderungspflege in Anspruch genommen werden. So werden Angehörige unterstützt, wenn Sie Zum Beispiel Urlaub von der Pflege machen möchten (MoMa, 2018).
Im Auftrag des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) werden Beschäftigte regelmäßig zur Qualität der Arbeit befragt. 2017 ging es auch um die Vereinbarkeit von Pflege­verantwortung und Erwerbs­arbeit. „Dabei kam heraus, dass jeder elfte Beschäftigte neben seiner beruflichen Tätigkeit eine oder sogar mehrere Personen zu Hause pflegt, was zu Problemen führt. Teilzeit würde zwar helfen, doch dann entstehen finan­zielle Lücken. Überwiegend Frauen und ältere Beschäftigte übernehmen die Pflege­verantwortung in der Familie. Im Durchschnitt kostet sie das 13,3 Stunden pro Woche.“ (VerDi, 2018) Diese Zahlen unterstreichen die gesell­schaftliche Bedeutung der Leistungen pflegender Angehöriger.
Über ein Raha­bilitations­angebot: Auszeit für pflegende Angehörige. Eine Internetsuche nach Pflegehotel bringt zig Treffer ... die Qualität der Angebote schwankt aber sehr.
Mehr über Pflegende Angehörige

Sozialversicherung der Pflegepersonen
Wenn mindestens Pflegegrad 2 zugestanden wurde, können pflegende Angehörige in der gesetzlichen Unfall– und Rentenversicherung abgesichert werden.

Auch „nicht gewerblich Pflegende“ (in der Regel Familienmitglieder oder Nachbarn) könnten, während sie den Pflegebedürftigen helfen, einen Unfall erleiden. Beispiele: Ein Sturz von der Leiter beim Aufhängen von Gardinen, ein Knöchelbruch beim Umgang mit dem Treppenlifter oder ein Bandscheiben­vorfall im Zusammenhang mit dem Verlassen der Badewanne.
[Details zur Unfallversicherung der Pflegepersonen]

Aus den Mitteln der Pflege­versicherung können auch Beiträge zur gesetzlichen Arbeitslosen– und zur Renten­versicherung der Pflege­personen gezahlt werden. Die entstehenden Renten­ansprüche sind nicht überwältigend, aber immerhin.
[Details zur Renten­versicherung der Pflegepersonen]
Aus der Beratung: ⁇ Mir wurde Pflegegrad 2 bewilligt. Wird das Pflegegeld auf die Hartz IV (ALG II) Leistungen angerechnet?
‼ Dazu steht was im § 13 (5) SGB XI: »Die Leistungen der Pflege­versicherung bleiben als Einkommen bei Sozial­leistungen und bei Leistungen nach dem Asyl­bewerber­leistungs­gesetz, deren Gewährung von anderen Einkommen abhängig ist, unbe­rück­sichtigt ...« Das sollte Ihre Frage beantworten.
Es ergibt sich aber sofort das nächste Problem: Wenn Sie einen Teil des Pflege­geldes an eine Pflege­person geben, die Arbeits­losen­geld II bekommt, wird es dann angerechnet? Der Gesetzgeber lässt so wenig Pflegegeld zahlen, dass es in keinem wirtschaft­lichen Verhältnis zum fest­gestellten Pflegeaufwand steht. Der Gesetzgeber hat in jeder Reform der Pflege­ver­sicherung betont, wie wichtig die Angehörigen­pflege ist. Politisch wäre es widersinnig solche Zahlungen bei Sozialhilfe oder ALG II anzurechnen. Das wird in einzelnen Abteilungen jedoch anders gesehen. Lassen Sie sich vor Ort beraten!

Allgemein zum Pflegegeld
„Da die tatsächlichen Kosten für die Pflege das gebührende Pflegegeld in den meisten Fällen übersteigen, kann das Pflegegeld nur als pauschalierter Beitrag zu den Kosten der erforderlichen Pflege verstanden werden.“ Dieser Satz stammt von www.gesundheit.gv.at und zeigt, dass sich nicht nur der Gesetzgeber in Deutschland mit der Unterstützung der informellen Pflege schwer tut.
Entlastung für die Angehörigen könnten professionelle Pflegekräfte bringen, die zum Beispiel bei der Gabe und Organisationen von Medikamenten (Behandlungspflege) helfen. Auch aufwendige Verrichtungen der Körperpflege, wie zum Beispiel beim Duschen (Grundpflege) machen mit Profis oft weniger Stress. Leider ist seit Jahren immer häufiger zu lesen, das Pflegedienste Anfragen ablehnen müssen, weil es nicht gelingt ausreichend Personal zu finden (NOZ, 2018).

Pflegezeit für Angehörige

Nahe Angehörige können Anspruch auf (bezahlte) Arbeitsbefreiung bis zu 10 Tagen haben, wenn ein Mensch neu, akut pflegebedürftig wird (§ 2 PflegeZG und § 44a SGB XI Absatz 3). Pflegezeit heißt es auch, wenn Angehörige geplant (auch teilzeitlich) von der Arbeit bis zu 24 Monate befreit werden (§ 3 PflegeZGund § 4 PflegeZG). Für die Begleitung Angehöriger in der letzten Lebensphase zu Hause oder in einem Hospiz haben Angehörige einen Rechts­anspruch darauf, drei Monate lang weniger zu arbeiten oder auch ganz auszusetzen (§ 3 (6) PflegeZG). Manche dieser Regelungen gelten nur für Betriebe mit mehr als 15 oder mehr als 25 Angestellten.
[Mehr über die Pflegezeit ...]

Punkt Widerspruch

Gegen die Entschei­dungen der Pflegekassen kann Widerspruch eingelegt werden. Normaler­weise wird im Bescheid über die Entschei­dung der Pflegekasse auch über die Frist für einen Widerspruch informiert. Das sind oft vier Wochen. Diese Frist ist wichtig: ist sie verpasst muss der Widerspruch abgelehnt werden.
Die Begründung für einen Widerspruch sollte detailliert Unzu­länglich­keiten des MDK Gutachtens aufzeigen. Dazu sollten Sie das Gutachten Satz für Satz durchgehen. Was im büro­kra­tischen Sinne als „Selbst­ständig­keit“ und „Hilfebedarf“ einzuschätzen ist, wird in den Begut­achtungs­richt­linien (BRi) auf etwa 250 Seiten festgelegt. Die BRi gelten für gesetzlich und privat Versicherte in gleicher Weise.
Zum Widerspruch können wir Sie individuell beraten.

Punkt Überleitung

Wer im Dezember 2016 Pflegestufe 3 und zusätzlich die „eingeschränkte Alltagskompetenz“ bescheinigt hatte, wird zum Januar 2017 automatisch auf Pflegegrad 5 umgestellt.
Die Pflegebedürftigen selbst müssen nicht aktiv werden.
Details zur Überleitung.
Die Bundesregierung will die Umsetzung der Pflegereformen (PSG II und PSG III) systematisch wissenschaftlich begleiten lassen. „Die Evaluation solle Erkenntnisse zu der Frage liefern, inwieweit die beabsichtigten Wirkungen vor allem des zweiten und dritten Pflege­stärkungs­gesetzes eingetreten seien. Überprüft würden dabei alle beteiligten Akteure, um eventuelle Optimierungs- und An­passungs­möglich­keiten auszuloten.“ (Millich, 2017)

Pflegegrad 1
Pflegegrad 2
Pflegegrad 3
Pflegegrad 4
Allgemeine Informationen zu den Pflegegraden.

Quellen:
– BRi, 2016, Seiten 11, 12, 18 und 75
– Deutsche Alzheimer Gesellschaft (DAlzG), 2018a
– DHZ, Deutsche Handwerker Zeitung am 29.11.2017
– Millich, 2017
– Mannheimer Morgen, 2018
– Märkische Allgemeine (MAZ) 2018
– MoMa (Morgenmagazin), 2018
– Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) 2018
– NWZ, Nordwest Zeitung, 2018
– Rheinische Post, 2018a
– Süddeutsche, 2018b
– VerDi, 2018
[ausführliche Quellenangaben]

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Letzte Aktualisierung: 17.08.2018